«TramMomente» erzählt Geschichten aus dem Alltag
Diego: «Papi, ich habe die Lehrstelle!»
An der Kreuzstrasse rennt ein junger Mann die letzten Meter. Das Tram steht schon da, die Türen schliessen sich fast. Im letzten Augenblick schafft er es hinein. Ein kurzer Blick, ein tiefes Durchatmen. Dann setzt er sich. Er stellt die Tasche auf die Knie, öffnet sie vorsichtig, fast ehrfürchtig. Ein Couvert kommt zum Vorschein. Er hält es einen Moment in der Hand, als wolle er sicher sein, dass es wirklich da ist. Dann zieht er ein Blatt heraus. Oben steht: Lehrvertrag.
Das Tram fährt an. Draussen zieht das Quartier vorbei, drinnen wird es still um ihn herum. Er greift zum Telefon, wählt eine Nummer. Während es läutet, nimmt er die Brille ab, reibt sich die Augen. Tränen laufen ihm übers Gesicht, unbeachtet, echt. Als er die Stimme hört, richtet er sich auf und sagt leise, aber klar: «Papi, ich habe die Lehrstelle»
Eine kurze Pause. Dann sprudelt es aus ihm heraus: ja, alles sei gut gelaufen, alle seien so freundlich gewesen – der Küchenchef, die Personalchefin. Und zum Schluss sei sogar der Hoteldirektor gekommen, habe ihm die Hand geschüttelt und gesagt: «Diego, wir freuen uns auf dich. Schön, dass du bald bei uns beginnst.»
Er hört zu, nickt, lächelt. Das Tram fährt weiter Richtung Tiefenbrunnen. Er legt das Telefon langsam zurück auf die Knie, atmet noch einmal tief durch. Einen Moment sitzt er einfach da, mit einem Lächeln, das mehr sagt als Worte. Dann zieht er das Couvert noch einmal zu sich, faltet den Lehrvertrag vorsichtig zusammen und legt ihn wieder hinein – ein kleines Ritual der Dankbarkeit, ein Versprechen an sich selbst.
Neues Jahr, neue Energie – und viel, viel Dankbarkeit.
4. Januar 2026
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