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Rückblick 12 Jahre zurichkreis8.ch

Zwölf Jahre, unzählige Eröffnungen, zahlreiche Schliessungen: Das Seefeld verändert sich!

Seefeld im Wandel: Verlust, Aufbruch und die Orte, die uns prägen. Zwölf Jahre, unzählige Eröffnungen, zahlreiche Schliessungen: Das Seefeld verändert sich - und mit ihm die Geschichten, die das Quartier erzählen. Von Lokalen, die wir vermissen, bis zu jenen, die es neu beleben – ein zurichkreis8.ch-Rückblick auf das, was das Herz der Anwohner bewegt.

Text: Zoran Bozanic

Seit dreissig Jahren im Quartier

Seit dreissig Jahren bin ich mit dem Seefeld verbunden. Ich habe hier gewohnt, gearbeitet, Projekte lanciert, Nachbarn kennengelernt, Stammplätze gefunden. Als unser Sohn geboren wurde, sind wir nach Zollikon gezogen - nicht weit weg. Und doch blieb das Seefeld mein Lebensmittelpunkt.

Seit über zehn Jahren betreibe ich neben meiner Kreativagentur das Online-Magazin zurichkreis8.ch. In dieser Zeit habe ich unzählige Eröffnungen begleitet. Und ebenso viele Abschiede.

Zwölf Jahre Quartierbeobachtung zeigen: Wandel ist im Seefeld keine Ausnahme. Er ist Realität.

Die Orte, die fehlen

Restaurant Latino



Kaum eine Schliessung löste so viele Reaktionen aus wie jene des Restaurant Latino. Für viele war es das Lieblingslokal. Ein Ort für Geburtstage, erste Dates, spontane Abende. Als wir darüber berichteten, erreichten uns Nachrichten voller Wehmut.

Auch das Restaurant Schlüssel bleibt unvergessen. Bodenständige Küche auf hohem Niveau. Roman am Herd. Werner im Service - charismatisch, präsent, verbindlich. Hier ging es nie nur ums Essen. Es ging um Quartiergeist.

Fischerstube

Die alte Fischerstube war ein anderes Kapitel. Lounge-Atmosphäre, Sonnenuntergänge, dieses fast mediterrane Gefühl direkt am See. Wer dort sass, blieb meistens länger als geplant.

Und dann das Verschwinden eines Wahrzeichens: Eisen-Meyer. Fast 90 Jahre Quartiergeschichte. Als der Betrieb eingestellt wurde, war die Reaktion im Seefeld deutlich spürbar. Man verlor nicht nur ein Geschäft - man verlor ein Stück Identität.

Boutique Kahoona

Ähnlich emotional war das Aus für Kahoona und das Coffee Rush an der Höschgasse. Ein lebendiges Shop-Gastro-Konzept wich einem Sitzungszimmer einer Anwaltskanzlei. Wirtschaftlich vielleicht nachvollziehbar. Atmosphärisch ein Verlust.

Und erst gestern berichteten wir über die Schliessung des Concept Stores FROHSINN. Die Resonanz war enorm. Es zeigt, wie sehr die Menschen im Quartier hinschauen - und mitfühlen.

Die, die das Quartier neu definieren

Doch das Seefeld ist kein Museum. Es ist ein lebendiger Stadtkreis - oder wie wir es gerne nennen: The Urban Village.

Das Monocle Café an der Dufourstrasse 90 hat das Quartier auf bemerkenswerte Weise revitalisiert. Ein klares Konzept: Café, kuratierter News-Stand, Shop, Lounge, Radio-Station. International, urban, offen. Hier sitzen heute Seefelder neben Gästen aus Tokio oder London. Das ist Weltstadt im Kleinformat.

Bistrot Capri

Viele sprachen vor der Eröffnung darüber - aber niemand ahnte, wie erfolgreich das Capri Bistrot werden würde. Eine in die Jahre gekommene Adresse wurde mit Mut und Stil neu erfunden. Heute trägt das Lokal das Seefeld weit über die Quartiergrenzen hinaus. Gehobenes Publikum, raffinierte Küche, extravagantes Ambiente - und dennoch mit Bodenhaftung.

Er kam, richtete sich ein und eroberte das Quartier. Die Rede ist von der Metzgerei Hatecke. Metzgerei und Gastrokonzept in einem. Schlichtes Ambiente, kompromisslose Qualität, guter Service. Keine grosse Inszenierung - einfach Substanz. Und genau das überzeugt.

Auch im Hotelbereich gab es Highlights, die das Seefeld prägten: Die Eröffnung des La Réserve Eden au Lac, gestaltet vom Designer Philippe Starck, löste vor einigen Jahren grosse Begeisterung aus. Das Haus verbindet Eleganz, Stil und Geschichte auf einzigartige Weise und hat das Quartier noch internationaler sichtbar gemacht. Parallel dazu sorgt der geplante Bau eines Boutique-Hotels an der Dufourstrasse für viel Vorfreude - zwei Projekte, die zeigen, wie das Seefeld seine internationale Strahlkraft ausbaut.

Haus zum Falken, Calatrava

Und schliesslich das neue architektonische Wahrzeichen: das Haus zum Falken, entworfen von Santiago Calatrava. Kaum ein Projekt hat so viel Wertschätzung ausgelöst. Es steht für Internationalität, Designbewusstsein und den Anspruch, mehr zu sein als nur ein schönes Quartier am See.

Was die Menschen wirklich bewegt

Dieser Artikel basiert nicht auf reiner Nostalgie. Und auch nicht auf Euphorie. Er basiert auf dem, was wir gespürt haben. Auf Kommentaren, Nachrichten, Gesprächen. Auf der direkten Resonanz unserer Leserinnen und Leser. Das Seefeld ist kein gleichgültiger Stadtteil. Es reagiert. Es diskutiert. Es vermisst. Es feiert.

Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus zwölf Jahren: Ein Quartier lebt nicht von Mauern. Es lebt von Menschen.

Manche Orte verschwinden – und hinterlassen eine Lücke. Andere entstehen - und schaffen neue Erinnerungen. Das Seefeld verändert sich. Aber es lebt.

Ein persönlicher Blick

Neulich lief ich mit meinem Sohn wieder einmal durchs Seefeld. Er kennt viele dieser Orte nur aus Erzählungen. «Hier war früher …», beginne ich dann manchmal - und merke, wie schnell aus Gegenwart Geschichte wird.

Vor dem ehemaligen Standort eines geschlossenen Lokals blieb er stehen und fragte: «Warum hat das zugemacht?»

Ich hatte keine einfache Antwort. Manchmal sind es Zahlen. Manchmal Verträge. Manchmal einfach die Zeit.

Ein paar Strassen weiter sassen wir dann im Café, um uns herum Stimmen in verschiedenen Sprachen, klirrende Tassen, neues Leben. Mein Sohn beobachtete das Treiben – ganz selbstverständlich. Für ihn ist das Seefeld genau so richtig, wie es jetzt ist.

Und vielleicht ist das die schönste Perspektive: Wir trauern um das, was war. Er wächst mit dem auf, was ist.


Februar 2026

 


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