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Brunos Tramnotizen - N°2

Die Leute standen sich an der Haltestelle Fröhlichstrasse schon eine kleine Ewigkeit die Beine in den Bauch, der ÖV schien an diesem Donnerstagmorgen verschlafen zu haben. Die junge Frau mit den hipen Kopfhörern von Beats hatte jedenfalls genügend Zeit, um bei Dr. Evelin Weidemann in der Apotheke Pillen zu besorgen und der Bürolist neben mir holte gleichzeitig für eine ganze Büromannschaft Gipfeli in der Backbar. Einer der Wartenden fiel besonders auf, der mit den grünen Tod’s-Schuhen, gelben Röhrlihosen, dem roten Hemd und blauen Veston. In seiner Rechten hielt er ein teures goldenes Feuerzeug, öffnete und schloss es andauernd – klick-klack, klick-klack – und er gaffte die herumstehenden Leute so anmachend direkt an, dass es schon unverschämt war. Endlich, der 2er kam angerauscht. Der unverfrorene farbige Gockel setzte sich vis-à-vis von mir, spielte weiter mit seinem goldenen Feuerzeug – klick-klack – gaffte nun mich an. Ich gaffte so lange zurück, bis er es nicht mehr aushielt, mich anquatschte und fragte, ob ich eigentlich wisse, wie es sei, wenn man aufhöre zu rauchen, vor allem wenn man zusehen müsse, wie andere rauchen, so wie eben an der Haltestelle. Ungefragt fuhr er fort, er sei nun seit vier Monaten clean, aber zwischendurch überkäme ihn eine teuflische Lust, es sei der blanke Horror. Da müsse er sich mit seinen Feuerzeugen ablenken. Er habe vier davon, ein Cartier, ein Dunhill, ein Caran d’Ache und eben dieses hier, ein Dupont. Die seien allesamt sauteure, schöne Sammlerstücke – klick-klack. Sein Kopfdoktor, so nannte er ihn, habe ihm gesagt, dieser Stress werde nochmals ein halbes Jahr anhalten, erst dann hätte er es geschafft. Und er wolle es schaffen, beteuerte er, das Leben sei einfach viel zu schön und man lebe nur einmal. Er stieg wie ich am Stadelhofen aus, quatschte unaufhörlich weiter und sagte erst mit einem letzten Klick-klack tschüss, als ich mich mit einem Wink verabschiedete. Ich dachte an meine Sucht, meine Schokoladensucht, schaute hinüber zum Chocolatier Vollenweider und sagte mir: Man lebt ja nur einmal.

2. März 2015


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