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Brunos Tramnotizen – N°57

Erfolgreich sei nur, wer nichts mache. Der distinguierte Herr paukte seinem jungen Begleiter schon am Stadelhofen ein, wie man Geschäfte mache. Als der 2er endlich eintraf, die beiden sich auf eine Bank setzten, führte der Herr seinen Vortrag fort und wiederholte: Erfolg habe nur, wer nichts tue, sich weder für etwas engagiere noch aktiv an einer Sache beteilige und sich vorab mit seiner Meinung zurückhalte. Die Devise heisse: Still abwarten und erst zuschlagen, wenn man sehe, wer wo etwas geleistet habe, wo es etwas zu ernten gäbe. Dann allerdings müsse man zu vorderst hinstehen und so tun, als sei man selbst für den Erfolg verantwortlich. Nur so räume man ganz gross ab. Der junge Begleiter, Matteo nannte er sich, schaute zu seinem Mentor hinüber, meinte, also ganz nach dem Motto „andere arbeiten lassen“... Exakt, fiel ihm der Herr ins Wort, denn mit arbeiten verdiene man kein Geld. Man riskiere nur Fehler zu machen, für die man schliesslich zur Verantwortung gezogen würde. Wer dagegen nichts tue, dem können auch keine Fehler passieren. Wie das denn am kommenden Konzernmeeting sei, wollte Matteo wissen, da habe es vier Arbeitsgruppen, die künftige Projekte vorstellen, da müsse er doch auch Farbe bekennen. Nein, nein, lächelte der Herr milde, dem sei nicht so. Matteo solle einfach allen nur zuhören und darauf achten, nie eine klare Position einzunehmen, das sei riskant. Denn jedes Engagement habe nur zwei Möglichkeiten: Entweder es habe Erfolg oder es werde scheitern. Setze er sich für ein Projekt ein, das schliesslich nicht reüssiere, sei auch er gescheitert. Ein Engagement bedeute zudem Arbeit, das sei ineffizient und reine Zeitverschwendung. Was er denn tun müsse, um sich aus der Verantwortung zu schleichen, wollte Matteo wissen. Diesmal lächelte der Herr sichtlich hämisch, meinte, was immer gut ankäme, sei formell vorzugeben, die Ansätze seien interessant, da könne man daran arbeiten. Er müsse nur unverbindlich freundlich sein, die Leute aufmuntern... die sollen arbeiten, arbeiten, nur arbeiten! Später, erst wenn relevante Resultate sichtbar würden, solle er Stellung beziehen. Da müsse er sich von denen unmissverständlich distanzieren, die keine Erfolge vorweisen können und deutlich klar machen, dass er das schon immer gewusst und gesagt habe. Anders sei es bei der Verkündung eines erfolgreichen Projektes: Da müsse er sich blitzartig in die erste Reihe stellen, beteuern, dass er dieses Projekt schon von Anfang an favorisiert und gefördert habe. Er müsse den Erfolg quasi für sich reklamieren... ganz im Sinne von „wir haben gewonnen!“... Matteo schaute ungläubig vor sich hin, fragte, ob das denn immer funktioniere. Klar, doch, doch, meinte der Herr, lehnte sich lässig zurück, er könne jetzt nicht mehr genau sagen, wie viele Verwaltungsratsmandate er bisher gehabt habe, aber – er holte tief Luft – so habe er sich sein Vermögen gemacht, gearbeitet habe er dafür nie.

21. März 2016


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