«TramMomente» erzählt Geschichten aus dem Alltag
Wer braucht schon Tinder - Hunde regeln das
An der Kreuzstrasse hält das Tram. Ein älterer, gepflegter Herr steigt ein, Hut leicht schräg auf dem Kopf, die Schuhe sauber poliert. Kaum haben die Pfoten seines Hundes den Tramboden berührt, zieht dieser plötzlich und sehr bewusst nach hinten. Der Mann folgt ihm, langsam lächelnd, bis sie am Ende des Wagens ankommen. Dort sitzt eine ältere Dame mit ihrem kleinen Hund. Sofort beginnen die Vierbeiner zu schnuppern, zu lecken und zu wedeln – die ganze Fahrt hindurch. Die Besitzer beobachten das sichtlich amüsiert: Sie unterhalten sich, lachen, geben kleine Handzeichen, um ihre Lieblinge zu dirigieren, und geniessen das ungeplante Spektakel, das sich direkt vor ihren Augen abspielt.
Das Tram rollt weiter über Feldeggstrasse, Höschgasse, Fröhlichstrasse. Die Hunde wedeln, lecken, schauen sich neugierig an, als hätten sie ein eigenes kleines Dating-Protokoll erfunden. Die Fahrgäste beobachten das mit einem Schmunzeln – manche zeigen anerkennend auf die Tiere, andere nicken dem Herrchen und der Dame zu. Am Endbahnhof Tiefenbrunnen verlassen die verliebten Vierbeiner das Tram. Sie laufen gemeinsam zum Lichtsignal, überqueren die Strasse und verschwinden im kleinen Park am See.
Wer braucht schon Tinder, wenn es bei den Hunden funkt. Die Chancen stehen gut, dass dasselbe beim Herrchen und Frauchen passiert.
1. Februar 2026
#tramMomente004

