Tramlinien 11 und 15, zwischen Bellevue und Tiefenbrunnen – die Bühne für kleine Kurzgeschichten, die das Herz erwärmen.
Zwei Generationen. Ein Smiley. Eine Zeitreise.
An der Haltestelle Fröhlichstrasse steigt sie ein: eine junge Studentin mit einem Coffee-to-go in der Hand, schenkt ein kurzes Lächeln und setzt sich hin. Auf dem Becher ein Smiley. Der ältere Herr neben ihr schaut schmunzelnd auf den Becher und fragt: «Woher haben Sie denn diesen fein riechenden Kaffee?» Die Studentin lacht. «Oh, das ist mein kleiner Start-in-den-Tag-Moment», sagt sie. «Ich hole mir jeden Morgen meinen Cappuccino in diesem Café an der Wildbachstrasse – es heisst Draft. Meine Mitbewohnerinnen haben mir diesen Tipp gegeben, und seitdem freue ich mich jeden Morgen darauf. Der Cappuccino schmeckt super, und das Café ist modern, urban, voller Leute aus dem Quartier. Am Wochenende strömen alle her.»
Der Herr nickt begeistert. «Das klingt wunderbar», sagt er. Sie beschreibt ihm die Ecke, die besten Sorten, den kleinen Garten – und plötzlich wird ihm bewusst: Das Haus, in dem das Café liegt, kennt er sehr gut. Hier wohnte vor vielen Jahren, als Student, seine erste grosse Liebe. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als Erinnerungen hochkommen: Terrassenparties, lange Spaghettiabende, viel getanzt, gelacht – und er spielte oft Gitarre.
Am Bellevue steigt die Studentin aus. «Danke, danke für die Begegnung und für die Verbindung zum Haus», sagt der Herr, fröhlich, berührt, voll Emotionen. «Die Erinnerung hat mir den Tag versüsst.» Sie lächelt zurück, winkt, steigt aus – und er bleibt sitzen, lehnt sich zurück, schliesst die Augen. Für einen Moment ist er wieder in den 80ern, denkt an seine langen Haare, bunte Mode – und an Claudia, seine erste Liebe. Alles wie gestern, alles lebendig.
Und dann denkt er: Es sind die kleinen, spontanen Momente – ein kurzer Blick, ein Lächeln, ein Smiley – die das Herz wirklich berühren und Generationen verbinden.
4. März 2026
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