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Ein Primeur aus dem Herzen des Seefelds

Goodbye Iroquois, hello Mr. Samigo & Family – und ja, das Totò bleibt uns erhalten

Wie wird der Stadtraum rund um die Kreuzung Höschgasse / Seefeldstrasse in nächster Zukunft aussehen? Sicher ist eins: Der Erfolgsgastronom Sami Khouri wird mit Mr. Samigo & Family das frühere Iroquois bespielen.

Text: H.G. Hildebrandt

Iroquois

Vor 31 Jahren eröffnet, hat das Restaurant Iroquois eine stürmische Zeit des Seefeldquartiers miterlebt. Es darf wohl sogar als Symptom der seinerzeit beginnenden Aufwertung verstanden werden. Die beiden damals noch ganz jungen Gastro-Urgesteine Marc Saxer und Daniel Kehl eröffneten dieses am Stil US-amerikanischer Surfkneipen angelehnte Lokal als zweites Projekt und schafften damit den Sprung aus der Wiedikoner Binz mitten in den Beginn der Seefeldisierung. Zu Beginn ging es recht wild zu, die Szene traf sich am Samstagnachmittag zu ausgedehnten Apero-Gelagen und liess die Abende gleich in die Clubnacht hineindrundieren. Der legendäre Küchenchef Eddie Blyden und der bis heute in der Szene Aktive Barman Alex Armbrüster machten die Zürcher mit Nachos, Chicken Wings und dem Cape Codder vertraut, einem gefährlich süffigen Essbegleiter aus Wodka und Cranberrysaft. Nach drei grösseren Renovationen über die Jahrzehnte hinweg verschwindet diese Institution zwischen Familienrestaurant, Quartierbeiz und urbanem Treffpunkt.

Mr. Samigo & Family übernehmen

Die Gründer Daniel Kehl und Marc Saxer – über ihre Two Spice AG mit heute rund CHF 100 Mio Umsatz zu wichtigen Akteuren der Schweizer Gastronomie geworden – übergeben das Lokal an ihren Freund Sami Khouri. Dieser ist bekannt als erfolgreicher Unternehmer mit Anfängen im Palestine Grill an der Langstrasse und mittlerweile rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Khouri betreibt das Samigo Amusement am See (beim Hafen Enge), das Les Halles (Pfingstweidstrasse) und stetig wechselnde Popups, denen er mit aufwändig versteckten Speakeasy-Clubs jeweils ein Glanzlicht aufsetzt. Seit diesem Winter gibt es sowohl in Zermatt und in St. Moritz – immerhin den glamourösesten Ferienstationen der Schweiz – Betriebe unter dem Label Mr. Samigo & Family. Als Innenarchitekt wie als Gastronom gleichermassen begabt und bewundert, wird der im Balgrist-Quartier aufgewachsene Khouri das frühere Iroquois nach seinen Erfolgsrezepten neu ausrichten.

Restaurant Toto

Ristorante Totò wieder ab 2027

Einst hiess das Lokal Drei Linden und war eine typische Quartierbeiz. Die Übernahme des Drei Linden durch die Two Spice AG machte die begonnenen Veränderungen im Seefeldquartier noch besser sichtbar als das Iroquois. Seit seinen ersten Tagen vertrat das Totò eine mediterran inspirierte, unkomplizierte und doch wertige Gastronomie, die im Seefeld mühelos Publikum fand. Pizza und Pasta sowie anspruchsvollere Gerichte mit italienischem Touch fanden hier hungrige Abnehmer; an der perfekt platzierten Bar wurde so manche Beziehung geschmiedet und wohl auch wieder beendet. Morgens wurde hier zu Anfang noch fleissig Zeitung gelesen; heute sind eine Reihe von Senioren die letzten, die diesem aussterbenden Brauch frönen. Auch im Totò steht ein Bruch an: Das Gebäude, in dem das Totò untergebracht ist, wird kernsaniert, es entsteht eine Liegenschaft von ganz neuer Ausstrahlung. Zuständig ist das Architekturbüro Spillmann Echsle, das im einstigen Industriequartier den On-Tower plante und für den Umbau der 1986 stillgelegten Kaserne in der Innenstadt zuständig ist. Während der Bauphase – geplant ist eine Dauer von rund eineinhalb Jahren – kann der Betrieb nicht weitergeführt werden. «Das Totò wird 2027 wieder als italienisches Lokal eröffnet», sagt Daniel Kehl auf Anfrage.

Post Höschgasse ab 2027 geschlossen

2027 steht jedoch eine weitere grosse Veränderung bevor. Doch die Veränderungen betreffen nicht nur die Gastrobranche. Die Poststelle an der Höschgasse wird im Zug der fortlaufenden Anpassung an den Markt geschlossen – inwiefern dies mit der ausgesprochen hohen Kundenfrequenz des Postlokals vereinbar ist, muss sich uns als einfachen Bürgern anscheinend nicht erschliessen (Ironie aus). Das frei werdende Lokal dürfte den Vertretern von Migros und Coop gleichermassen ins Auge gestochen sein; sie werden jeweils befürchten, dass sich einer ihrer Konkurrenten Aldi oder Lidl dort ansiedeln könnte. Aus Quartierkreisen wurde angeregt, dass das Lokal im Sinn eines Provisoriums ein Café beherbergen könnte, das nicht ausschliesslich auf Profit angelegt wäre, sondern als Begegnungsraum dient. Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse und der daraus hervorgehenden Konkurrenz zum nahe gelegenen Gemeinschaftszentrum Riesbach dürfte dies jedoch schwierig werden.

Zu beobachten

Die Kreuzung Höschgasse / Seefeldstrasse ist stets ein Ort, an dem die Seefeld-Realität ablesbar ist: Nicht mehr ganz jung, wohlhabend, durchmischt, urban, manchmal etwas selbstgefällig, immer lebendig. Ausserdem eng verbunden mit den Nachbarorten an der Goldküste. Der nun anstehende Umbruch ist kein Krisensignal, aber ein Moment des Innehaltens. Er zeigt, wie empfindlich selbst stabile Quartiergefüge auf strukturelle Erneuerung reagieren – und wie viel Identität in scheinbar beiläufigen Betrieben steckt.

Dezember 2025

Der Autor
H.G. Hildebrandt lebt mit seiner Familie im Seefeld. Als Journalist schreibt er über kulinarische Genüsse und politische Themen. Zuvor war er Chefredaktor der Designzeitschriften Das Ideale Heim und Atrium sowie Redaktor bei der Zürcher SonntagsZeitung. Mit seiner Getränkemarke Gents hat er dem Quartier eine kleine, feine Genusswelt geschenkt und verbindet damit Tradition, Kreativität und lokale Verbundenheit.


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