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Wer ist Jedlitschka, Martin Jedlitschka?

Wer an seiner gleichnamigen Galerie an der Seefeldstrasse 52 vorbeigeht, stellt sich die Frage unweigerlich. In den grossen und hohen Ausstellungsräumlickeiten präsentieren sich die Objekte überraschend anders, als man dies gewohnt ist. Zwischen dem Betrachter und den Bildern scheint es keine künstliche Barriere zu geben, man fühlt sich der Kunst näher, man unterhält sich sozusagen mit dem Künstler von du zu du. Auf einer Information des Galeristen steht die Aufforderung, man solle sich zur Kunst ein eigenes Urteil bilden. Wir wollten wissen, was hinter dieser Aufforderung steht und wer er eigentlich ist, Martin Jedlitschka.

Die Galerie an der Seefeldstrasse führt Martin Jedlitschka seit 1999, mit einem Unterbruch zwischen 2010 und 2013, als das alte Haus abgebrochen wurde und der heutigen Neuüberbauung weichen musste. Jedlitschka repräsentiert figurative, progressive Gegenwartkunst, spricht eine Klientel an, die sich gerne durch die narrative Botschaft des Künstlers in Gedankenwelten entführen lässt. 

Die Galerie beschränkt sich auf fünf Ausstellungen pro Jahr, vier davon widmet Jedlitschka einer von ihm auserwählten Künstlergruppe. Jede fünfte Ausstellung bezieht sich auf eine themenbezogene Gegenüberstellung zur Förderung junger, aufstrebender Künstler. Jedlitschka pflegt einen hohen Qualitätsanspruch, achtet sehr auf Inhalt und Handwerk, wichtig sind ihm die Beständigkeit der Werke - er mag keine Kunst mit Ablaufdatum. 

Aufgewachsen in einer kulturell-illustren Umgebung...  

Martin Jedlitschka ist im Seefeld aufgewachsen, seiner Mutter, eine geborene Furrer, gehörte die damals führende Ladenkette Bluejeans, sein Vater, Hans Jedlitschka, war Dramaturg, Ressortleiter und Regisseur beim Schweizer Radio. Der Urgrossvater mütterlicherseits, Emil Dürr, war der letzte Laternenanzünder Zürichs und betrieb eine Zigarren- und Strohhut-Manufaktur. Und da war noch Martins Onkel, Karl Guldenschuh, Maler, Zeichner, Radierer und Illustrator: Bei ihm verbrachte Martin Jedlitschka viel Zeit im Atelier, lernte schon früh, wie man Werke betrachten muss, was die grosse Handwerkskunst auszeichnet. Bei seinem Onkel gingen viele zeitgenössische Maler und Literaten ein und aus, Martin wurde schon als Kind geprägt von der Weltanschauung der Zürcher Kunstszene.

Martin J.

... und die rebellische Suche nach dem eigenen ich ... 

Etwas Rechtes sollte er erlernen, rieten ihm seine Eltern, doch Martin Jedlitschka ging vorerst seinen eigenen Weg, den eines jungen Rebells. Er begann als Innendekorateur, reiste nach Israel, arbeitete in einem Kibutz auf den Golanhöhen - in der Zeit, als die Welt dort noch friedlich war - kultivierte Jaffa-Früchte, lernte Sprachen, interessierte sich für die Filmwissenschaft. Zurück in der Schweiz  studierte er Ökonomie und verdiente seinen Lebensunterhalt als Kulissenschieber am Schauspielhaus. Er wurde mit der linken Szene der Gewerkschaften konfrontiert, war bei Experimenten gegen das Etablissement dabei, machte Bekanntschaft mit der Szene der Punkmusik, setzte sich für Freiräume ein. 1983 schliesslich eröffnete er ein Antiquitätengeschäft an der Kreuzstrasse, spezialisierte sich erst auf Marinebilder, mischte im Kunstmarkt mit, bevor er in der Liegenschaft der heutigen Beauty Villa Valentino seine erste Galerie eröffnete. 

... zum Entdecker und Hüter der figurativen Kunst 

Heute ist Martin Jedlitschka Galerist, gewissenhaft der Kunst verbunden, spezialisiert auf die figurative, progressive Gegenwartskunst. Jedlitschka achtet dabei behutsam auf Inhalt und Handwerk, so, wie er dies schon in frühen Jahren von den grossen Meistern gelernt hatte, die bei seinem Onkel Karl Goldenschuh im Atelier ein- und ausgingen. Jedlitschka ist kein Verkäufer, er ist Kunstliebhaber und als das seiner Klientel, den Kunstsammlern, verpflichtet. 

Martin K.

Skulpturenausstellung in & out, 28. Mai bis 22. August 2015  Unter dem Titel «Noch nie war Kunst so frei wie heute?» stellt die Jedlitschka Gallery Skulpturen von 19 Künstlerinnen und Künstlern aus. Vernissage ist am 28. Mai von 17.00 - 21.00. Skulpturengarten: geführter Rundgang jeden Freitag ab 17.00 Uhr - www.jedlitschka-gallery.ch


Text: Thomas Gysin, Mai 2015


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