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Billig war nie ein Wettbewerbsvorteil

Ein Plädoyer für mehr Freude an einem guten Produkt.

Man könne hinsehen und hinhören wo man wolle. Auf dem Markt drehe sich heute alles um den Preis. Selbst das günstigste Angebot sei vielen zu wenig attraktiv, das billigste müsse es sein. Ob sich das rechne, müsse schliesslich jeder selber wissen. Ökonomisch und auch ökologisch präsentiere sich die Bilanz allerdings anders. Über die Beschaffung von Ressourcen und Arbeitsbedingungen in der Herstellung mögen viele nicht sprechen, Fairtrade und Eigenverantwortung blieben auf der Strecke. Unternehmerisch betrachtet ergäbe sich daraus kein Vorteil, gut sei definitiv besser als billig. Für den Anbieter und den Konsumenten. Samy Liechti, Gründer und Inhaber der Blacksocks hat diese Billigmentalität von Anfang an als Unternehmer miterlebt, ist erfolgreich gegen den Strom geschwommen und zieht rückblickend eine positive Bilanz.

In den 1990ern habe sie begonnen, die Geiz-ist-geil-Welle, geradezu übergeschwappt sei sie, alles musste billiger werden, produziert wurde fortan in Billigstlohnländern in Asien. Es sei eine regelrechte Abkehr von grundsoliden Werten gefolgt, preiswert sei zu wenig gewesen, Produkte hätten nur eines sein müssen: billig. Billig müsse per se ja nicht schlecht sein. Zum Beispiel wenn ein Produkt noch kurz vor Ablaufdatum angeboten würde - es sei nach wie vor einwandfrei und gut, müsse aber rasch konsumiert werden. Das sei einleuchtend. In Erklärungsnot gerieten allerdings Anbieter von Produkten mit Preisen, die nicht mehr nachvollziehbar seien. Wenn ein Küchenstuhl im regulären Verkauf für keine zehn Franken angeboten würde, müsse jeder wissen: Da koste schon das Holz mehr, aus dem er gemacht worden sei. Kurzfristig würden Aktionen mit billigen Angeboten einen gewissen Effekt auslösen, auf die Dauer würden sie sich allerdings tot laufen, billig sei langfristig nie ein Wettbewerbsvorteil gewesen.

Billiger einkaufen, aber weniger Geld verdienen

Als Unternehmer wisse man, dass die Konsumenten nicht mehr Geld zur Verfügung haben, nur weil alles immer billiger sei. Denn diese Leute würden sich ihr Geld in der gleichen Wirtschaftskette erarbeiten, in der die Produkte hergestellt würden. In einer Wirtschaftskette, in der jeder mehr Leistung für weniger Geld erbringen müsse. Der Lohn würde dabei nicht nicht höher, er bliebe gleich. Im Endeffekt würde also nicht mehr Geld für den Konsum übrig bleiben. Tatsache sei, dass man mehr arbeiten müsse, um sich etwas zu leisten.

Die Freude an einem guten Produkt ist nicht teuerer

In der heutigen Zeit brauche es vielleicht wieder ein Umdenken. Dass nämlich billig nicht gut sei, das müsse man den Konsumenten nicht erklären, das wissen sie selber sehr gut! Aber vielleicht müsse man ihnen wieder schmackhaft machen, dass ein gutes Produkt ein kleinbisschen mehr koste - und, dass es sich lohne, dafür einen entsprechenden Aufpreis einzukalkulieren. Ein gutes Produkt mache definitiv mehr Freude, die Qualität sei besser, es halte weit länger - und darum müsse man auch weniger davon kaufen. Samy Liechti sehe das an seinen Produkten. Die Baumwolle, die er einkaufe, sei zwar teurer, dafür von erster Güte, habe längere Fasern, der spätere Faden sei stärker, das Gewebe würde nicht fusseln, das sei angenehm beim Tragen, das sehe schön aus, sogar weit über eine Saison. In der Pflicht sieht Samy Liechti allerdings nicht in erster Linie die Konsumenten, sondern in die Unternehmer. Mit Billigprodukten habe man in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar höhere Umsatzzahlen erreicht, gebracht habe es aber nichts, weder der Wirtschaft noch den Konsumenten.

Respektvoller Umgang mit Ressourcen und Wertschätzung einer Arbeitsleistung

Zu einem gesunden Unternehmerdenken gehöre ein respektvoller Umgang mit Ressourcen und die Wertschätzung einer Arbeitsleistung. Wer Rohstoffe plündere, möge kurzfristig für wenig Geld viel davon bekommen, sein Geschäft habe allerdings keine Zukunft, weil solche Quellen schnell versiegen würden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen garantiere dagegen eine stete Abschöpfung in einer hohen Qualität. Das rechne sich, für den Unternehmer, der den Rohstoff zu einem Produkt verarbeite und für den Konsumenten, der es sich kaufe. Ein T-Shirt aus erstklassiger Bauwolle behalte auch über eine zweite Saison seine Form. Dasselbe gelte für die Verabreitung. Wer in Billiglohnländern die Preise auf ein unanständiges Niveau drücke, dürfe kein hochwertiges Resultat erwarten und verunmögliche sich selber eine langfristige Partnerschaft mit guten und zuverlässigen Zulieferanten. Das sei fatal, und das Risiko, damit ein gutes Markenprodukt zu ruinieren, sei sehr hoch. Die Wertschätzung zugekaufter Arbeitsleistung in einem Herstellungsprozess lohne sich. Erst so lassen sich eine Partnerschaft aufbauen, Qualität sichern, stete Verbesserungen und Neuerungen erreichen. Es enstehe eine Vertrauensbasis und aus dieser eine hundertprozentige Verlässlichkeit. Für ein Markenprodukt sei das von existenzieller Bedeutung. Und unternehmerisch betrachtet würden so die Entstehungskosten langfristig niedriger gehalten. Das sei gut für das Unternehmen, das sei schliesslich auch gut für den Konsumenten - er erhalte ein sehr gutes Produkt für einen sehr günstigen Preis.

Samy Liechti ist Inhaber der im Zürcher Seefeld ansässigen Blacksocks SA und setzt seit der Gründung seiner Firma auf Qualität. Zu seinen langjärigen Lieferanten pflegt er ein persönliches Verhältnis, bespricht mit ihnen die Produktion jeder einzelnen Kollektion vor Ort und kennt die Leute, die für Blacksocks arbeiten. Samy Liechti überwacht den gesamten Produktionsprozess von der Beschaffung und Qualität der Baumwolle über die Verarbeitung, die Arbeitsbedingungen der Angestellten, der Einhaltung von Umweltschutzmassnahmen bis hin zur Logistik und den Vertrieb. Als Unternehmer müsse man Eigenverantwortung übernehmen, der Kunde habe das Recht darauf, ein Produkt zu erstehen, das den Namen eines Markenlabels auch verdient.

Text: Thomas Gysin

September 2016


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