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«Der Kreis 8 hat vieles zu bieten - überzeugen Sie sich selbst!»

«SixAppeal fürs 8i»

Legt man die 8 flach, wird sie zum Zeichen für Unendlichkeit, beim Ablichten von Landschaften oder beim Arbeiten mit der Hyperfokaldistanz (für mich beruflich) von Bedeutung. In beiden Fällen gehts um scharfe Fotos. Apropos: Wer weiss schon, dass das Seefeld einst Sumpfgebiet war, wohin sich 8bare Bürger zurückzogen, um sich in einem märchenhaften Lustschloss (gegenüber Bellerive-Museum) flachlegen zu lassen?! Und zwar von sönigen Damen, die vom Bürgertum weniger ge8etet waren und sind! 8ung, historisches Glatteis, ich wechsle das Thema. 

Bösartig analytisch könnte man sagen, der Kreis 8 sei ein Symbol für die Ansammlung dreierlei Arten von Nullen, eine tragende, eine aufsässige und ein allumfassende Klasse von Nullen. Da wären zum einen der tragende Kreis von Edelfreaks, (Lebens)KünstlerInnen, Werbeheinis, LandflüchterInnen, Laissez-Faire-Familien, Erfolg- und Geistreichen, welche ab den 80er Jahren das damals graue „Altenquartier“ mehr und in ein kunterbuntes, etwas gesoftetes Pendant zum Kreis Chaib verwandelten (der Strassenstrich im Umkreis der Höschgasse ist erst vor wenigen Jahren verschwunden). Deren Anwesenheit schrumpft langsam aber stetig Richtung Null. Und da sind auch jede Menge Politiker und Quartiervereins-Wilhelm-Tells, die dem 8los libertinösen Markt nichts entgegenzusetzen wussten, als omnipotente Spekulanten und architektonische Heilsbringer wie der gefürchtete Sprössling einer Metzgerfamilie, ihre Lust am spekulativen Fellatio hemmungslos zur Schau stellten - Strassenstrich für Strassenstrich Immobilienblasen, was Alteingesessene vertreibt und Platz macht für jene seit dem Millenium zunehmend zuwandernden Fachkräftinnen und -kräfte, welche dank den fünf Nullen hinter der 1, 2 oder 3 ihrer Einkommens die Mieten noch bezahlen können, der Tatsache hingegen null Respekt zollen, dass die Schweiz erstens nicht „ihr“ südlichstes Bundesland ist, es zweitens gar nicht putzig tönt, wenn sie unsere Mundart verhunzen und drittens und vor allem am Sonntag rund um das Tinguely-Ungetüm herum am Zürihorn das Gefühl aufkommen lassen, als seien die Schweizer hierzulande die schlecht integrierten Ausländer. 

Okay, okay, die Juden haben wir ja auch aufgenommen. Wir wussten schon immer, wie man aus der Not der andern eine Tugend von volkswirtschaftlichem Nutzen macht. Drum also Schluss mit Lästern. Ich liebe dieses Quartier in jeder Hinsicht, ich liebe nämlich auch die deutsche Sprache und die Grossmäuler, die sie zum besten geben, was ich allerdings aufs weibliche Geschlecht beschränkt wissen möchte - ist nämlich doll, wie Deutsche küssen! 

Ich habe das Glück, in einer der schwindend günstigen Wohnungen zu leben. Ich habe das Glück, im Freitag gegenüber einen Konditor zu finden, der nicht Volksmundmarketing betreibt, sondern Eigensinn auf höchstem Niveau beweist. Ich habe das Glück, dass mir im Sommer die Invasion von sürmelnden Agglos und WestzürcherInnen an der Haltestelle Höschgasse bewusst macht, dass wir hier nicht im Goldenen Käfig, sondern im besten aller Quartiere in Frieden leben. Dass der Coop täglich - ausser sonntags - bis 22h offen hat, ist auch ein grosses Glück. Oder dass ich den Weg kreuze mit Persönlichkeiten wie dem Konstruktivisten Gottfried Honegger, der Modediva Christa de Carouge, dem NZZ-Chefredaktor, aber auch dem tanzenden Schwarzen mit den glänzenden Augen und den wirren Haaren, der jeden anpöbelt aber niemandem etwas zu Leide tut. Und ich hab das Glück, zwischen Tibits im Westen und Blaue Ente im Osten jede Menge guter Beizen und Bars und Läden und KunsthandwerkerInnen und Provinzkreativen und Global Players anzutreffen. Vor allem aber, und das unabhängig von Herkunft, Idiomen und einigen Idioten, habe ich das Glück, hier ganze viele tolle Menschen um mich zu wissen, die sich geschäftlich oder privat zusammentun, damit sie eben keine Nullen mehr sind, sondern gemeinsame Sache machen können - alle 8tung also, das 8i ist zwar knallhart, aber auch parat, smart - und sexy . 

Was könnte man verbessern? Laubbläser und Hunde verbieten? Na ja, dann schon eher die vor dem Coop an der Höschgasse auflauernden Politiker am Samstag morgen, die mich aus dem Halbschlaf reissen mit ihrem Zähnefletschen, das als Lächeln gemeint ist.

Text: Christoph Dill

Januar 2015


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