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Urs Heusser: Der Figaro und Dealer des Manhattan

Wenn man den kleinen Coiffeursalon Manhattan an der Dufourstrasse 131 betritt, kriegt man zuerst einmal einen guten Espresso. Und zwar nicht einen 08/15-Nespresso, sondern einen frisch gemahlenen von der Claude Stahels „Black & Blaze“-Rösterei. Nur schon für den Kaffee muss man diesen Mann lieben.

Heusser, mit 66 noch kein bisschen müde, steht er frisch und fit vor mir in dunkelblauen Jeans, dezent gestreiftem Hemd und Nike Air-Turnschuhen. Auf seiner Nase eine zeitlose braune Hornbrille und das halblange Haar modisch gescheitelt. An seinen charakterstarken Gesichtszügen erkennt man, das dieser Mann viel erlebt hat, das Leben in vollen Zügen geniesst und offensichtlich lange geraucht hatte. «Vor einem halben Jahr habe ich mit der Raucherei aufgehört» bemerkt er mit knorriger Stimme, und es macht ihm auch überhaupt nichts aus, wenn Nachbarn auf einen Schwatz reinkommen und eins paffen. Sowieso ist in seinem Salon ein reges Kommen und Gehen und die meisten sind nur auf einen Schwatz oder Kaffee aus. Sie kommen und holen sich eine gute Flasche Wein oder eine der Köstlichkeiten von Donat Gut, dessen Delikatessen man bei Heusser kaufen kann.

«Dealen macht das Leben interessanter» meint er dazu trocken. In den 80er Jahren hatte er hinter seinem Coiffeurladen «Salon Urs» eine 200 m2 grosse Lagerhalle. Dort handelte er mit Autos, Flipperkästen und Lacoste-T-Shirts und vielem anderen mehr. Er hatte eigentlich schon immer den Traum, eine Markthalle zu betreiben, inklusive Bar, Commestibles, Tabakladen, Kleiderboutique - und mittendrin der Figaro. Leider konnte er diesen Traum nie verwirklichen. Gram hat er deswegen keinen.

«Die Kunden auf meinem Stuhl meckern zurzeit über das Seefeld, da alles Schickimicki geworden sei, dabei vergessen sie, dass wir in den 80er Jahren riesige Probleme mit dem Strassenstrich und der Drogenszene hatten. Ich befürworte die Aufwertung des Quartiers eindeutig. Die Leute haben wieder mehr Geld und geben es auch im Quartier aus».

Und wieso heisst sein Salon an der Dufourstrasse eigentlich Manhattan? «Früher wollte ich immer nach New York, habe es aber leider nie geschafft.» Heute fährt Heusser übers Weekend lieber ins Tessin, wo er seit Jahren eine zweite Bleibe hat. Im Seefeld geht er ins Hornegg oder sein Lieblingslokal, das Quaglinos.

Text: Adrian Erni, März 2015


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