«Das Zürcher Seefeld hat vieles zu bieten - und darüber möchten wir berichten!»

Opera Box – ein scharfsinniger, prickelnder Jahreswechsel für das Seefeld

Mitreissende Melodien, geistreiche Dialoge, Szenen voller Irrungen und Wirrungen: Im Rahmen der diesjährigen Opera Box präsentiert das Zürcher Kammerorchester mit «Les Bavards» von Jacques Offenbach und «Trial by Jury» von Arthur Gilbert und W. S. Sullivan zwei äusserst unterhaltsame Operetten im Juristenmilieu. Zürich Kreis 8 bietet einen Blick hinter den Vorhang der Proben, hat mit Hauptakteuren gesprochen und verlost 2x2 Tickets für die Premiere.

Britische Bissigkeit und charmantes Chaos

Obwohl beide Werke mit Scharfsinn und bissigem Humor überzeugen, sind sie dem breiten Publikum kaum bekannt. In «Trial by Jury» (1875), zu Deutsch «Das Geschworenengericht», wird der charmante Edwin angeklagt, sein Verlöbnis aufgelöst zu haben. Dieser steht zu seiner Tat: Seine Braut wurde ihm «unausstehlich langweilig». Nach zeitintensiven Diskussionen, und zahlreichen Befragungen, die eher Verwirrung stiften als Klärung bringen, macht der Richter schliesslich einen Vorschlag... Auch in der komischen Operette «Les Bavards» (1862), zu Deutsch «Die Schwätzer», wird ein Deal ausgehandelt: Der junge, verschuldete Roland hält um die Hand seiner Angebeteten bei deren reichen Onkel an. Die Musik, in eigens für diese Produktion verfassten Arrangements, ist schwungvoll und spritzig. Versiert sorgen die Darsteller für allerlei Verwechslungen und amüsanten Trubel auf der Bühne.

Vorfreudige Nervosität
Es ist ein grosses Gewusel an der Seefeldstrasse 305, fast zuhinterst im Seefeld. Das Zürcher Kammerorchester logiert dort und ist in der Endphase der Proben für die beiden Operetten. Instrumente werden gestimmt, Kostüme auf ihre Passform und Beweglichkeit getestet, es wird Deutsch, Französisch und Englisch geschwatzt – mittendrin steht Regisseur Paul Sutter und bemüht sich um Überblick. Zürich Kreis 8 durfte ihm und Tenor Daniel Bentz ein paar Fragen stellen.

Opera Box

Tenor Daniel Bentz (mittlere Reihe, links) mit GesangskollegInnen

Herr Suter, wie geht es Ihren Nerven so kurz vor der Premiere?

Paul Suter: «Im Moment habe ich Schlafstörungen, nicht nur, aber auch wegen der kommenden Premiere. Ich bin zwar schon zum dritten Mal dabei, aber die Nervosität bleibt gleich. Man hat einfach eine grosse Verantwortung, die auf einem lastet. Man weiss ja nie, wie die Stücke beim Publikum ankommen. Aber wir haben ein sehr gutes Ensemble, das beruhigt mich.

Wie erklären Sie einem Laien wie mir den Unterschied zwischen einer Oper und einer Operette?

Paul Suter: «Da gibt es viele Merkmale, aber die Operette hat meistens zugleich etwas Humorvolles und etwas Bissiges. Ich liebe das leichte und luftige bei Offenbach oder Gilbert und Sullivan. Auch die zeitkritischen Texte haben es mir angetan. Die Operette kann man auch leichter ins Zeitgenössische transformieren, was wir mit den aktuellen Stücken beweisen.

Dieses Jahr führen Sie ein englisches und ein französisches Stück auf. Wie geht das zusammen?

Paul Suter: «Ich finde das sehr spannend. Auch die Musik der zwei Komponisten ist grossartig. Es sprudelt und funkelt wie frischer Champagner!

Der gemeinsame Nenner der beiden Werke ist die Justiz. Haben Sie ein spezielles Flair dafür oder wie ist diese Kombination entstanden?

Paul Sutter: «Das hat sich zufällig ergeben. «Les Bavards» haben wir schon mehrmals ins Auge gefasst, aber noch nie realisiert. Es ist wirklich zufällig, aber ein genialer Zufall!»

Daniel Bentz: «Die zwei Stücke passen einfach super zueinander, es ist eine wahre Freude für das Publikum, aber auch für uns auf der Bühne.»

Herr Bentz, erklären Sie uns doch kurz was ein Tenor genau ist?

Daniel Bentz: «Der Tenor ist der männliche Hauptdarsteller und singt die höchste Lage der Männer. Es gibt Bass, Bariton und Tenor und Letzterer singt, wie gesagt, die höchste Gesangslinie. Es ist eigentlich die unnatürlichste Gesangslinie, wird aber dafür am meisten verehrt von der Damenwelt (lautes Gelächter). Er ist meistens der Liebhaber oder der Gute, selten der Bösewicht.»

Sie singen in beiden Stücken mit. Wie gross ist die Herausforderung, die Sprache zu wechseln?

Daniel Bentz: «Wunderbar! Für mich ist das kein Problem, sondern vielmehr eine Chance, die man nicht alle Tage kriegt.»

Das Publikum sitzt in dieser Inszenierung teilweise auf der Bühne. Wie gehen Sie damit um? Das ist ja nicht unbedingt der Normalfall.

Paul Suter: «Ja, das Publikum sitzt rund um die Bühne herum und auch das Orchester wird neu positioniert. Dadurch wird es Auftritte von allen Seiten geben und das Publikum wird stärker integriert. Ich glaube, dass das Publikum gerne so nah am Ensemble sitzt.»

Daniel Bentz: «Für mich als Künstler ist das grossartig und intensiv, wenn man einen solch direkten Kontakt mit dem Publikum hat. Man kriegt die Emotionen direkt mit.»

Noch eine Frage zur Umgebung des ZKO. Wie empfinden Sie das Seefeld als Quartier? Kommen Sie nur hierher, um zu arbeiten, oder haben sie einen näheren Bezug dazu?

Daniel Bentz: «Ich wohne in Hottingen und bin sehr gerne im Seefeld. In den Pausen gehen wir an den See und lernen unsere Texte oder gehen in ein Café.»

Paul Suter: «Ich finde es ein ganz ganz tolles Quartier. Was ich ein wenig vermisse sind die einfachen Restaurants, das fehlt mir im Seefeld. Ich hoffe einfach, dass die älteren Häuser nicht alle abgerissen werden...».

Opera Box

Besetzung
Zürcher Kammerorchester
Andres Joho, Musikalische Leitung
Paul Suter, Regie
Mit Jeanne Pascale, Andrea Suter, Daniel Bentz, Barbara Hensinger, Bojidar Vassilev, Erich Bieri, Ulrich Amacher, Jürg Krattinger und vielen mehr

Aufführungsdaten
Sonntag, 27.12.15, 16 Uhr – Premiere
Donnerstag, 31.12.15, 16h
Donnerstag, 31.12.15, 20h
Sonntag, 3.1.16, 16h
Samstag, 9.1.16, 19.30h
Sonntag, 10.1.16, 16h
Mittwoch, 13.1.16, 19.30h
Samstag, 16.1.16, 19.30h
Sonntag, 17.1.16, 16h

Aufführungsort
ZKO-Haus
Konzertsaal
Seefeldstrasse 305
8008 Zürich

Text: Adrian Erni
Fotos: Thomas Entzeroth

Dezember 2015


Zürich Kreis 8 Newsletter

Um informiert zu bleiben und regelmässige Updates zu erhalten, können Sie unseren Newsletter hier abonnieren - kostenlos und unverbindlich.




Schliessen