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Wochenporträt: Wenn das prunkvolle Erbstück wieder glänzen und leuchten soll

Den Kronleuchter hatte ich von meiner Grossmutter, diese hatte ihn wiederum aus der Erbschaft ihrer Urgrossmutter, er stammte also irgendwo aus der Zeit von achtzehnhundertungrad. Weggeben wollte ich ihn nicht, aufhängen konnte ich ihn nicht, seine Prismen waren matt und es gab keinen Elektriker, der das mit den originalen Stoffkabeln hingekriegt hätte. Und auch die Glühbirnen mit dem langen Wolframfaden gäbe es nicht mehr, liess ich mir sagen. Irgendwann bekam ich von einer Innenarchitektin den Tipp, ich solle damit zu Aladin gehen, dem Aladin im Seefeld. Der hatte schon die uralten Leuchter in der Tonhalle zum Glänzen und Erstrahlen gebracht, das damalig dunkle Odeon und die Villa Patumbah wieder erleuchtet. An der Seefeldstrasse 226 begrüsste mich Olivier Perrin in seinem Geschäft Aladin Antik. Lange begutachtete er mein gutes altes Stück, bemerkte meine Ungeduld, tröstete mich mit einem bedächtigen "das brauche Zeit".

Olivier Perrin, Aladin Antik

Olivier Perrin in seinem Geschäft Aladin Antik

Er werde alles auseinandernehmen und den einigen hundert Prismen Stück für Stück das Funkeln wieder beibringen, sie auf neuem Draht aufziehen, alles neu elektrifizieren, mit originalen Stoffkabeln, da und dort Messingteile ersetzen, ja und die Glühbirnen, die liesse er in einer Schweizer Manufaktur in Kleinserie neu herstellen, denn es sei ein Unding, den prächtigen Leuchter mit kalten Halogenbirnen zu verunstalten.

Die grosse Vorfreude auf das Weihnachtsgeschenk

Nach einer Pause blickte er mich an, meinte, einige Teile müsse er ersetzen, er fände sie bestimmt in Böhmen, er mache mir einen Kostenvoranschlag. Ich war einverstanden und fragte hoffnungsvoll, ob er es noch diesen Monat schaffe. Olivier Perrin schaute mich mit einer stoischen Ruhe lange an, bevor er mit einem vertrauensvollen Lächeln sagte, ich solle mich auf Weihnachten freuen, ja, das würde wohl ein Weihnachtsgeschenk. Bei einem Schwatz erzählte er mir noch, dass er das Geschäft von seiner Tante übernommen habe, der lieben Odette Kurattli, Odette war Direktorin des Zirkus Aladin, hatte im Niederdorf auch das Lampengeschäft Aladin. Er sei schon als Kind immer im Zirkus gewesen, wollte ursprünglich Artist werden, nahm sogar über Jahre hinweg Ballettunterricht. Gelernt habe er dann allerdings Bauzeichner und als Odette 1990 Zirkus und Geschäft aufgab, habe er das Geschäft, in dem er schon als Teenager in der Werkstatt sein Sackgeld verdiente, übernommen. Neben einigen hundert Kronleuchtern findet man bei Aladin übrigens auch Sammlungen an Kristallgläsern aus der Zeit von 1820 bis 1950 - über 4000 an der Zahl, man kann sie als kostbare Einzelstücke haben oder im Set.

Text: Thomas Gysin, Februar 2015


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