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Seefeld|Aspekte

Komfortzonen

Jede Stadt hat ihr Bohemien-Viertel, ihren Bezirk, ihren Kreis. Die Definition und entsprechende Wahrnehmung ist sicher subjektiv. So hat, nur als Beispiele für die deutschsprachige Gegend, München das gleichnamige Quarré um den Gärtnerplatz, Wien seine Josefstadt – und Zürich das Seefeld.

So.
Natürlich gibt es Schwabing, Grinzing oder den Kreis 4 – aber selten würde man tatsächlich der gewohnten Umgebung den Rücken kehren. Vielleicht für einen spannenden Tagesausflug.

Das Seefeld, der Kreis 8.
Angrenzend die Seegemeinden, die Oper, die ansteigenden Strassen Richtung Zürichberg und natürlich – der See. Alles in allem recht klangvoll. Ist man entnervt, wählt man die Richtung Tiefenbrunnen und weiter, mit Bergblick – bei guten Tagen. Sucht man mehr Urbanität bringt der 2er Tram die Abenteurlustigen Richtung Kreis 4. Ansonsten bleibt man einfach hier, setzt sich auf die Terrasse des Razzia, die ein wenig an Paris erinnert, zu Pia ins Escoffier, die weiss, dass man, neuerdings seinen Kaffee nur noch mit wenig Milch bestellt und um 10 Uhr wieder zu spät ist für ein Gipfeli, alle weg, oder bei Dominique auf die kommunikative Holzbank der Höschgasse 33. Auch bei Regen. Man bleibt meistens nicht lange alleine. Bekannte Orte, vertraute Wege. Man kennt einige Menschen, die dort arbeiten, vorbeiziehen oder spontan bestellen teilweise mit Vornamen und ein wenig ihrer Historie. Neulich diskutierten zwei Damen, sicher langjährige Seefelderinnen, bei der zweiten Schale entspannt über Macron und Le Pen. Aufmunternder Blickwechsel. Irgendwann gibt man seinen Senf dazu, der die Weltpolitik nicht ändern wird und dann liest man weiter, beantwortet eine überfällige SMS oder schaut einfach. Alles gut.

Cafe Escoffier

Cafe Escoffier, Feldeggstrasse 49

Das Grundprinzip dieser Orte ist international, aber nicht auswechselbar. Heute nennt man diese gewohnten Umgebungen Komfortzone. Man möchte bleiben. Vielleicht noch einen Abstecher an den See. Idealerweise in der Nebensaison.

Einige der Orte im Seefeld haben sich natürlich mit den Jahren verändert, wurden ersatzlos geschlossen oder ersetzt. Man sollte ja offen sein für Neues. Das kleine, teure aber ungemein kommode Marinello an der Feldeggstrasse fehlt bei aller Offenheit im Seefeld-Alltag ebenso wie der gefüllte Kiosk von Frau Bartholet gegenüber. Von der Kreuzapotheke unter der stilvollen Leitung von Susanna Gantenbein ganz zu schweigen. Nur drei Beispiele. Das Thema Nostalgie werden wir in einem der kommenden Beiträge etwas näher betrachten.   

Nebst einer gewissen Sentimentalität wirft man mir einen beginnenden Hang zur Routine und geographischen Lethargie vor. Ich bekenne mich in dieser Form gerne dazu.

Soweit. Ein kurzer Prolog, ein subjektiver erster Einblick - und ein Ausgangspunkt für weiterführende Beobachtungen oder Gedanken, die, in etwas anderer Form, an Bruno und seine 100 pointierten Tramnotizen anknüpfen sollen. Das Seefeld & seine Aspekte.

Zeit für einen Kaffee im Razzia, unter dem Schirm. Oder ein Ginger Beer. Neuentdeckt. Dank Zoran. Auch dazu an anderer Stelle mehr. Aber man erkennt meine Offenheit.

Eine gute Woche allen Seefeldern und Lesern!
Lethargisch-zufrieden,

Redaktion: Andreas Finke

Mai 2017


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