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Aus dem Seefelder Silicon Valley: Uepaa!

Aus dem Seefelder Silicon Valley: Uepaa!®  Die Technologie der Notfall-App von uepaa!® Alpine Safety ist inzwischen auch überall dort gefragt, wo es gar keine Berge hat. Es sind Grosskonzerne mit zigtausenden von Mitarbeitern, die nach der Schweizer Kommunikations-Technologie fragen, selbst Social Media-Plattformen interessieren sich dafür und Banken möchten es künftig für Transaktionen nutzen. Das kleine und junge Start-Up uepaa!® ist am Rande des Seefelds in der ehemaligen Fabrik des SEV tätig und beschäftigt derzeit gerade mal ein gutes Dutzend Leute. Wir sprachen mit dem Gründer von uepaa!®, Mathias Haussmann. 

Die Idee mit ueppa!® kam Mathias Haussmann auf dem Engelberger Gletscher an einem frühen Vormittag vor einer Freeride-Abfahrt. Wie er es in seinen Studienjahren als junger Skilehrer gelernt hatte, traf er mit weiteren Freeridern entsprechende Vorsichtsmassnahmen. Dazu gehört unter anderem auch der Austausch der Telefonnummern, um im Notfall Angehörige benachrichtigen zu können. Dabei kam Mathias Haussmann auf die Idee, das Handy auch als Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) zu nutzen. 

Uepaa
Der tödlichste Sport: Bergwandern. 

Mathias Haussmann begann erst einmal zu recherchieren, die Marktbedürfnisse abzuklären, Partner zu suchen und technische Möglichkeiten abzuklären. Der lange Weg führte über die Rega, das Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos, bfu, die Suva und ETH Zürich. Die Rega, das bfu und die SUVA fanden die Idee zwar prüfenswert, beschieden Haussmann allerdings, dass er statt für Freerider besser etwas für Bergwanderer machen sollte, Bergwandern sei die tödlichste Sportart, danach kämen Bergsteiger, erst an dritter Stelle Touren-Skifahrer. Interessant sei ein Personensuchgerät, das auch ausserhalb des Mobile-Funkkontaktes eingesetzt werden könne. Bei der ETH Zürich stiess Haussmann schliesslich auf Professor Bernhard Blattner, der über das technische Know-how verfügte und die Basis für die Technologie der App entwickelte. 

Von Raviolibüchsen über Hörgeräte und Herzschrittmacher zu uepaa!® 

Ursprünglich machte Mathias Haussmann eine Ausbildung als Elektroniker, später den Abschluss als HTL-Ingenieur. Er arbeitete an Maschinen, die Raviolibüchsen für Hero herstellen, bei der ehemaligen Phonak entwickelte er in der Forschungsabteilung die Technologie zur digitalen Signalverarbeitung, danach perfektionierte er bei Biotronik, dem Hersteller für Herzschrittmacher, die cardiovaskuläre Technologie. In der gleichen Zeit absolvierte er das Studium des MBA. Rückblickend meint Mathias Haussmann, dass es ihm erst dieser lange Weg überhaupt ermöglicht hatte, das Start-Up uepaa!® anzugehen.    

Das System uepaa!® kommuniziert wie Murmeltiere, von einem zum nächsten, wie eine Feuerlöschkette.  

Die Notfall-App von Mathias Haussmann kommuniziert wie Murmeltiere, von einem zum nächsten. Mit der von der ETH Zürich entwickelten Technologie nehmen Smartphones in der Umgebung bis zu 450 Metern untereinander via WLAN Kontakt auf. Durch diese Peer-to-Peer-Verbindung entsteht ein «Mesh»-Netz, das sich automatisch den Weg ins nächste Mobilfunknetz sucht. Ein Notsignal aus einem «Funkloch» wird solange über andere Smartphones weitergeleitet, bis eines davon in ein Mobilfunknetz gelangt und den Notruf automatisch an die Notrufzentrale weiterreicht. Mit dem Notrufsignal werden aktuelle Position, Aktivität, Tagesziel, Notfallausrüstung und die Farbe der Kleidung des Betroffenen und, sofern möglich, Angaben über eine allfällige Verletzung mitgesendet. Darüber hinaus übermittelt die App alle Daten, die bei einer Vermisstensuche für die Behörden relevant sind. 

Social Media-Plattformen interessieren sich dafür und selbst Bankinstitute klopfen im Seefeld an: alle wollen uepaa!® 

An der App haben über dreissig Entwickler geforscht und entwickelt. Inzwischen ist die App über Apples App Store für iPhone und Google Play Store für Android als Download verfügbar. Dass diese Technologie auch für ganz andere Bereiche eingesetzt werden kann, haben inzwischen selbst Weltkonzerne entdeckt. Social Media-Plattformen interessieren sich dafür, und ebenso Unternehmen, die das Schweizer Kommunikations-System im Betrieb und Kundenkontakt einsetzen möchten. Und schliesslich haben Banken angefragt, wie sie die App von Mathias Haussmann für Transaktionen nutzen können, wenn keine Mobile-Funkverbindung besteht. 

Link zum Video

Mathias Haussmann (43) ist Vater eines Sohnes und einer Tochter. uepaa!® war sein erstes Baby und wird wohl sein ewiges bleiben. Der Name ist übrigens ein Urschrei für das Gelingen von schier Unmöglichem.


Text: Thomas Gysin

Juli 2015


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