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N°3

Warum ich auf den Stadtkreis 1 neidisch bin, hat nur einen einzigen Grund: der Bürkliplatz mit seinem Markt. Es ist das, was dem Seefeld noch fehlt. Der Märit auf dem Bürkliplatz ist etwas Besonderes, etwas das man sich mindestens einmal pro Woche leisten sollte. Ich gönne mir jeweils dienstags, und wenn es reicht, auch freitags einen Gang dort hin – die knappe Stunde, die ich zwischen den Ständen mit den farbenfrohen Angeboten verbringe, empfinde ich gemessen an meinem Wohlbefinden wie eine halbe Ferienwoche. Vor sieben schaffe ich es zwar nie, aber ab sieben wird es auch erst richtig lebendig. Am Dienstag habe ich einen ganzen Korb Gemüse gekauft, mich mit feinem Ziegen- und Schafkäse eingedeckt, nach Fisch hätte es mich ebenfalls gelüstet, das hatte ich aber erst für Freitag auf dem Zettel, ich liess mir darum beim Metzger wunderschöne Lammracks einpacken. Zufrieden setzte ich mich in den 2er in Richtung Seefeld, den prachtvollen Einkauf auf meinem Schoss. Der Herr im dunklen Anzug hatte mich schon beim Einsteigen immerzu gemustert, getraute sich aber erst am Bellevue zu fragen, was es bei mir zum Znacht gäbe. Ich erzählte ihm, dass an diesem Abend Vegetarier und Fleischesser bei mir am Tisch sässen. Für die Vegetarier stünden Auberginen-Cordon bleu mit Ratatouille auf dem Menüplan, für die Fleischesser zur Ratatouille ein Lammrack, danach folge delikater Ziegen- und Schafkäse mit Akazienhonig und frischen, reifen Feigen, zum Dessert ein Schokoladekuchen. Der Mann lächelte genüsslich und fragte nach einer Atempause, ob ich ihm das Rezept für das Auberginen Cordon bleu per Mail zuschicken könne, im Gegenzug verrate er mir seine Weinempfehlung zu einem solchen Dinner. Auf seiner Karte, die er mir gab, stand eine Genfer Adresse. Auf meine Frage, was er hier mache, antwortete er lächelnd, er besorge sich im Seefeld ein Pied-à-terre und müsse aufs Notariat Riesbach. Mit einem ‚alors à un de ces jours!’ drückte er den Knopf an der Haltestelle zur Kreuzstrasse, ich lachte und sagte wie zu mir selber: willkommen Zuhause!

9. März 2015


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