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N°9

Drei Stationen fuhren wir bereits im 4er und die beiden Burschen vis-à-vis von mir sprachen kein Wort, ihre Blicke waren leer, irgend etwas musste sie sehr beschäftigen. Schliesslich konstatierte der Grössere, Hannes sei aufgeflogen mit diesem Trick, er wisse darum nicht, ob er die Nerven habe, es nun auch zu versuchen. Hannes habe sein Handy hinten in den Hosenbund gesteckt, das Kabel unter dem Pulli hinaufgezogen, das Mikrophon im Foulard mit einer Sicherheitsnadel festgemacht, den Mini Bluethooth-Kopfhörer hätte man unter seinen Haaren nicht sehen können. Der Prüfungsexperte, ein älterer Herr, habe sich auch nichts anmerken lassen, dass er von Beginn weg wusste, dass etwas faul war. Er habe Hannes abgefragt bis zum Schluss und ihm erst danach ins Gesicht gesagt, dass er jetzt noch die Gelegenheit habe, den Betrug zuzugeben. Hannes habe einfach zu lange mit den Antworten gewartet, fuhr er monoton fort, irgendwie habe der Experte es gemerkt, Hannes sei halt auch kein guter Schauspieler. Wer ihm denn die Antworten geflüstert habe, wollte sein Kumpel wissen, Vanessa oder Christina? Vanessa, Christina habe assistiert. Hannes habe sie aber nicht verraten. Bei der Schriftlichen habe das alles so gut funktioniert, aber bei der Mündlichen sei es halt schon sehr riskant. Die beiden schwiegen eine Weile. Eigentlich sahen die Jungs ganz vif aus, ich würde es ihnen zutrauen, dass sie es schaffen würden. Und überhaupt, dachte ich mir, wenn die Burschen das Zeugs dazu haben, derart verwegen an eine Prüfung anzutraben, dann sind sie auch clever genug, in unserer Gesellschaft ihren Weg zu finden, sich durchzusetzen. Unter den vielen gutverdienenden Manager, die ich kenne, fiel mir keiner ein, der den Mumm hätte, das nur ansatzweise zu denken, was die Burschen hier im 4er von sich gaben. Ganz schön frech ihr Vorhaben. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es unserer Arbeitswelt, wo ja auch nicht immer alles regelkonform abläuft, vielleicht gut täte, wenn ein paar freche Burschen arbeitsmüde und mutlose Sesselfurzer etwas aufmischen würden.

Sonntag, 19. April 2015


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