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N°15

Der junge Mann sah aus, als käme er aus dem Fitnessstudio. Durchtrainiert und frisch geduscht schaute er fröhlich in die Welt, wartete wie ich an der Höschgasse auf das nächste Tram. Zum modischen Anzug aus feinem Stoff trug er ein rotes Shirt mit irgendeiner Aufschrift und schrillbunte Sportschuhe. Das sah urkomisch aus. Er wippte zu einer imaginären Melodie mit dem Kopf hin und her, merkte schliesslich, dass ich auf seine Schuhe schaute, grinste, sagte ‚hello’. Jaja, die seien ganz neu, er wollte sie eben kurz probieren, wissen, wie sie sich anfühlen. Es seien die gleichen, wie die von Viktor Röthlin, die neusten Gel-Kayano 21 von Asics. Er laufe auch Marathon. Tolle Schuhe, die Fluidride-Mittelsohle verbessere die Abfederung enorm. Mit den Laufschuhen sei das halt eine Wissenschaft für sich. Der 4er hielt, wir setzten uns auf die nächstbeste Bank. Es sei enorm wichtig, dass man sich für den richtigen Schuh entscheide. Er habe zum Glück normale Füsse und einen Ganzsohlenlauf, biomechanisch problemlos. Trotzdem müsse er darauf achten, den richtigen Schuh zu finden. Der junge Mann, er hiess Paolo, schwadronierte ohne Unterbruch, brauchte für seine Erklärungen beide Hände, fuhr sich zwischendurch in die luftige Mähne. Der Schuh sei der wichtigste Teil der Ausrüstung, er soll den Fuss führen, das Abrollen unterstützen, die Bewegung stabilisieren, den Aufprall des Körpers dämpfen. Man müsse sich vorstellen, schon bei einem Zehn-Kilometer-Lauf setzen die Füsse 6500 Mal mit dem zwei- bis dreifachen Körpergewicht auf. Er habe mehrere Trainingsschuhe, je nachdem wo er laufe, auf der Strasse oder unbefestigtem Untergrund, bei Nässe oder trockenem Wetter. Mit einem Paar laufe er etwa 700 Kilometer, dann seien sie hin. Er machte eine kurze Pause, schaute zufrieden vor sich hin, meinte dann, ganz vorne mitmischen wie der Viktor würde er nie, er laufe aus Freude. Ein bisschen Ehrgeiz sei schon dabei, irgendeinmal wolle er unter 2:30:00 ins Ziel kommen. Aber dazu müsse er noch die Ernährung umstellen, so, jetzt müsse er gehen, mit einem herzhaften Ciao verabschiedete er sich am Bellevue. Ich war mir sicher, etwas von Paolo gelernt zu haben. Zum Laufen braucht es nicht nur den richtigen Schuh, es braucht auch die richtige Ernährung. Ich verspürte Hunger.


Sonntag, 31. Mai 2015


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