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N°10

Es war noch frisch, der Wind blies aus Nordost, der 2er war eben abgefahren, der 4er noch nicht da, dem Fischer schien es egal zu sein, er schaute glückselig unter seinem dicken Kapuzenpulli hervor, fragte, ob ich ein Mobile habe und er eine SMS an einen Freund schicken dürfe. Wenn er morgens früh an den See ginge, wolle er ungestört sein, die Ruhe geniessen, da lasse er sein Klingeldings zuhause oder im Büro. Ich gab ihm mein Mobile, im Gegenzug sollte ich kurz die Hülle halten, in der sich seine zerlegte Rute, eine Sage TCX, befand. Das sei eine 7er-Schnurklasse, 4-teilig, Fiberglas-Carbon, die koste schon mal tausend Franken, habe aber 30 Jahre Garantie. Der 4er war leer, es war ja auch schon bald neun Uhr, Pesche, so hiess er, legte seinen Rucksack auf den Bank vor uns, dazu den grossen Plastiksack aus dem ein gerolltes Tuch ragte. Ob ich ihn kurz sehen möchte? Er zog die Tuchrolle heraus und öffnete sie. Knapp vier Kilo sei er schwer, ein 75er Hecht, ein wahrliches Prachtsexemplar. Er habe ihn im Hafen bei der Kibag herausgezogen. Sein Kollege, der Morty Mc Fly, sagte ihm am Vortag, dass es hier viele Weissfische gebe, und wo es diese Futterfische hat, zieht es eben auch Raubfische hin. Um sechs Uhr sei er dort gewesen, habe sich einen Platz gesucht, als es dann heller wurde – um halb sieben ging die Sonne auf – habe er schon nach dem zweiten Wurf einen Biss gehabt, den Fisch allerdings verloren, drei Würfe später zog er einen 45er aus dem Wasser, musste ihn aber wieder schwimmen lassen, 50 sei das Mindestmass. Pesche wechselte darauf den Platz. Die Hechte stehen zu dieser Zeit gerne an abfallenden Kanten, auch zwischen den Stegen oder Schiffen, an geschützten Orten, warten da auf Beute. Der Hecht sei geduldig, übe wenig Aufwand, greife von unten an, wie ein Krokodil äuge er von unten nach oben. Pesche fischt die Hechte mit Fliegen, er zeigte aus seiner Fliegen-Box einen weiss-blau schimmernden Hechtstreamer, etwa 15 cm lang, damit fischte er heute. Die Schnur, eine Sinking-Line, werfe er etwa 25 Meter hinaus aufs Wasser, lasse sie dort fünf bis acht Meter absinken, strippe sie dann ein, nach und nach mit kurzen Zwischenpausen. Nach dem sechzehnten Wurf hatte er den 75er dran, da sei sein Puls ganz schön in die Höhe gegangen. Der Hecht habe den Köder richtiggehend inhaliert, nach dem Anschlagen zwei, drei Fluchten versucht, Pesche musste am Geschirr stark forcieren, habe den Hecht eine ganze Weile gedrillt und schliesslich mit dem Boga Grip, einer Art Greifzange, gelandet. Heute gebe es die Filets, mit dem Rest mache er ein Curry für morgen. Es war zwar nicht Freitag, aber mich gelüstete es auch, am Abend einen Fisch aufzutischen, nahm mir vor, den Berufsfischer, zu dem ich immer gehe, zu fragen, was er heute gefangen hat.



Sonntag, 26. April 2015


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