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Brunos Tramnotizen – N°88

Die drei Burschen waren auf Konfrontation aus, provozierten an der Höschgasse umstehende Leute mit Faxen, suchten offensichtlich Zoff.  Doch grundsätzlich, das sah man gleich, es war nicht wirklich böse gemeint von den Jungs, es schien mehr, als ob sie Aufmerksamkeit suchten. Der kleine Blonde posierte sich direkt und ganz nahe vor einen Mann mittleren Alters, grinste ihn an, sagte nichts. Sein etwas grösserer Kollege, ein Rotschopf, stellte sich dazu, grinste den Mann ebenso an. Schliesslich kam auch der dritte Bursche hinzu, der mit Brille, der hatte ein besonders blödes Grinsen aufgesetzt. Alle drei Burschen standen nun keine Ohrfeige weit vor dem Mann, grinsten ihn an, sagten nichts und warteten auf eine Reaktion. Der Mann reagierte aber nicht, schaute über die Burschen hinweg, ignorierte sie, und als der 2er endlich anhielt, ging er schnurstracks zur Tür, scheinbar durch die vor ihm stehenden Burschen hindurch, der Mann tat, als ob die Burschen gar nicht existierten. Im Tram -  der Mann sass auf der Zweierbank ganz vorne - wiederholten die Burschen ihre Provokation. Sie stellten sich unmittelbar vor den Mann, grinsten ihn schweigend an. Das war zwar harmlos, es konnte aber auch als Bedrohung aufgefasst werden. Der Mann hätte motzen können, die Burschen zurechtweisen, er tat es nicht. An ihnen vorbeisehen ging allerdings auch nicht mehr, zu dicht standen sie vor ihm. Der Mann lehnte sich zurück, schaute vor sich hin, als ob niemand vor ihm stünde, hob seine rechte Hand vors Gesicht, griff sich an die Nase, steckte den Zeigefinger in ein Nasenloch, grübelte darin herum, zog ein undefinierbares Zeugs hervor, formte mit Zeigefinger und Daumen ein Kügelchen und tat schliesslich so, als ob er dieses klebrige Ding in Richtung der Jungs los werden wollte. Die drei Burschen schauten sich angewidert an, machten keinen Mucks, gingen dann leise zur Tür und verliessen das Tram an der nächsten Station. Der Mann tat immer noch so, als wäre nie etwas geschehen. Ein anderer Herr, der im schwarzen Anzug unweit der Szene gestanden und alles beobachtet hatte, empörte sich lauthals über das provokative Benehmen der Burschen, man sollte so ein Pack ins Arbeitslager schicken. Der Mann auf dem Bank lächelte, sagte, die Burschen hätten ja gar nichts gemacht. Doch, doch, empörte sich der Herr im Anzug weiter, unverschämt und frech sei das gewesen von denen, das dürfe nicht ungestraft bleiben! Der Mann auf der Bank lächelte den enervierten Mann milde an, fragte, ob er denn nie Blödsinn gemacht habe, als er jung gewesen sei. Nein!, entfuhr es dem Herrn. Jetzt lachte der Mann auf der Bank laut heraus, sagte, wenn er das ernsthaft meine, dann habe er wohl etwas verpasst im Leben, dann sollte er nochmals von ganz vorne beginnen. 

23. Oktober 2016


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