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Brunos Tramnotizen – N°86

Die zwei Freunde sassen nebeneinander im 2er Richtung Bellevue. Der Jüngere am Fenster hiess Matteo, der um einiges ältere neben ihm Alex. Beide trugen die gleichen Designerklamotten, das sah witzig aus. Matteo sah bedrückt aus, irgend etwas schien ihm Sorgen zu bereiten. Alex fragte ihn schon zum zweiten Mal, was mit ihm los sei. Matteo zögerte erst, schliesslich sprudelte es aus ihm heraus: Er werde nächste Woche dreissig, das käme ihm einfach unvorstellbar alt vor, er wisse gar nicht wie das sei, das Leben scheine ihm einfach zu kurz, das mache ihm wahnsinnig Angst. Alex lachte laut heraus, so blöd könne man nur sein, wenn man noch nichts begriffen habe im Leben. Und Alex spottete weiter, wenn er jetzt dreissig werde, gehöre er ab nächster Woche zu den U-40! Matteo fand diese Bemerkung gar nicht lustig. Alex erklärte ihm, es sei ganz normal, sich über das Alter Gedanken zu machen, man tue dies meist, wenn man in ein nächstes Jahrzehnt käme, viele hätten dann kurzfristig eine Krise. Matteo solle das locker nehmen, jeder Zeitabschnitt sei vergänglich, wenn einer zu Ende sei, käme eben der nächste. Mit dreissig sei er kein bisschen älter, aber vielleicht würde er nicht mehr den gleichen Unsinn machen wie mit zwanzig. Und auch mit vierzig sei man noch ganz schön jung. Alex hielt einen Moment inne, meinte dann, erst ab fünfzig müsse man sich Gedanken machen, ob man weiterhin älter werden wolle. Von diesem Zeitpunkt an gelte es, sich in dieser vom Jugendwahn besessenen Gesellschaft zu entscheiden: Entweder man werde weiterhin älter und riskiere ausgegrenzt zu werden – oder man bleibe jung. Als er vergangenes Jahr sechzig geworden sei, habe er realisiert, dass selbst jung bleiben nicht reiche, ab sechzig müsse man definitiv wieder jünger werden! Alex grinste, im Tennis habe er dies ja geschafft, Matteo hätte gegen ihn die letzten vier Spiele haushoch verloren! Matteo schaute nachdenklich, wollte von Alex wissen, ob er es sich nie wünschen würde, nochmals jünger zu sein, vielleicht dreissig, so wie er. Alex lachte, es sei ja schön gewesen mit dreissig, mit vierzig auch, vielleicht würde er ein zweites Mal alles etwas anders machen, aber es bliebe bei einer Wiederholung. Eine Wiederholung fände er langweilig. Jetzt mit sechzig sei für ihn alles okay, sehr sogar, es sei nicht viel anders als früher. Jede Zeit habe gute und weniger gute Seiten. Heute fühle er sich wohl, und er freue sich, dass er mit den Jüngeren leicht mithalten könne. Jeder müsse wissen: Alles sei vergänglich, auch die Jungen von heute seien morgen alt. Daran liesse sich nichts ändern, man solle darum nie der Vergangenheit nachweinen, man solle besser den Augenblick ausleben, er tue dies, so wie damals mit zwanzig. Und das sei echt cool!   

9. Oktober 2016


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