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Brunos Tramnotizen – N°84

Es sei eigentlich völlig egal was passiere, es seien zuallererst immer die Grossen, die aussterben würden. So wie der Dino, den sie bei den Ausgrabungen letzte Woche gefunden hätten, der sei immerhin über drei Meter gross und 20 Meter lang gewesen, der soll irgend ein Katastrophenszenario nicht überlebt haben, das Futter sei ihm ausgegangen. Denise, so hiess die junge Frau, scrollte auf ihrem Tablet herum, zeigte ihrer Freundin ein Bild, so habe der Dino ausgesehen. Cool sehe er aus, meinte diese schnippisch, genauso hübsch wie Carlo, ihr Freund. Allerdings sei Carlo wesentlich kleiner, zum Glück für sie, so würde er mit ihr locker auch die nächste Katastrophe überleben. Denise legte ihr Tablet beiseite, lachte, sie sei doch nur neidisch. Aus dem Gespräch ging hervor, dass die beiden als Pflegefachfrauen im Unispital tätig waren. Denise schaute zum Fenster hinaus, sagte nachdenklich, eigentlich habe sich auf der Welt nichts geändert. Jedes Mal, wenn etwas passiere, seien es immer die Grossen, die zuerst sterben würden. Und dabei müsse es gar keine Natur- oder Umweltkatastrophe sein, das bewege die Menschen doch kaum mehr, man habe das schon mit Tschernobyl gesehen, dann mit Fukushima, das Thema sei kurz danach jeweils vergessen, der Mensch mache einfach weiter als wäre nichts geschehen. Mit den schrecklichen Kriegen sei es ebenso, wenn diese ein paar Flugstunden weg seien, würde das niemanden ernsthaft berühren. Nein, die einzige Katastrophe, die dem Mensch etwas anhaben könne, ihn am Leben erhalte oder sein Schicksal besiegle, heisse Geld. Das sei schlicht traurig. Melanie unterbrach Denise, sie mache jetzt aber gar auf Weltuntergang. Nein, meinte Denise, das passiere doch täglich rund um sie herum, schleichend und still. Und immer fange alles mit den Grossen an: Grossbetriebe die sich des Profites wegen erst zu einem Mega-Unternehmen aufblähen, um dann kurz vor dem Platzen wiederum des Profites wegen alles wegrationalisieren, Menschen inklusive - davon spreche sie. Das seien lauter Tsunami, für Betroffene tödlich, für Aussenstehende in dieser Konsequenz kaum merkbar. Viele Opfer würden sie ja täglich betreuen, immer würden es mehr, die Gesellschaft mache sich so selbst krank, todkrank! Melanie mochte Denise nicht widersprechen, versuchte sie aber etwas aufzumuntern, das habe auch eine gute Seite, ihnen ginge so die Arbeit nie aus. Denise meinte darauf nur noch lakonisch, ob sie denn nicht bemerkt habe, dass der Profit-Tsumani auch das Gesundheitswesen längst erfasst habe. Früher oder später seien sie alle einmal Dinos.       

25. September 2016


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