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Brunos Tramnotizen – N°83

Es sei unglaublich, was die Alten künftig kosten würden, das ginge doch nie..., gar nie ginge das auf, lamentierte der junge Mann. Etwas über  zwanzig mochte er sein, einen teuren Anzug trug er, er schien gut situiert zu sein. Der ältere Herr vis-à-vis von ihm war sein Grossvater, ein noch junger, vielleicht siebzig, der lächelte milde. Nein-nein, die Alten würden der jungen Generation bestimmt keine Steine in den Weg legen. Das ganze Rentensystem sei eben aus dem Ruder gelaufen. Niemand, weder die Politik noch die Wirtschaft, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten mit der Sache ernsthaft beschäftigen wollen. Das Thema Altersvorsorge sei einfach zu wenig sexy gewesen, damit habe kein Politiker Stimmen oder gar eine Wahl gewinnen können. Und die Wirtschaft habe das Thema jeweils unerledigt schubladisiert. Er und seine Generation seien wohl selber schuld, sie hätten sich ernsthafter darum kümmern müssen. Der junge Mann, Harry hiess er, war etwas verblüfft ob der gelassenen Reaktion seines Grossvaters. Wie das jetzt sei, ob er denn kein Vermögen habe. Der Grossvater lächelte, er habe gut, sehr gut verdient, er habe für die Familie immer gut gesorgt, den Kindern ein Studium ermöglicht. Als selbständiger Kaufmann habe er keine Pensionskasse gehabt, er habe neben der obligatorischen Altersvorsorge nur noch in die sogenannt dritte Säule investiert... und die habe schon längst keine Zinsen mehr abgeworfen, die ehemals versprochenen Beiträge hätten sich mit der Zinspolitik fast halbiert, er betrachte das als staatliche Enteignung. Aber er müsse sich keine Sorgen machen, sagte der Grossvater zu Harry. Mit der Altersvorsorge allein könne man zwar nicht einmal die Rechnungen bezahlen, man müsse mit dem Rest des Ersparten versuchen durchzukommen. Er würde ja gerne noch arbeiten! Allerdings gebe es keinen Arbeitgeber, der freiwillig Leute einstelle, die über fünfzig seien. Es sei unverschämt zu meinen, man könne das Problem aus der Welt schaffen, indem man das Rentenalter heraufsetze. Wieder lächelte der Grossvater milde, sagte erneut, der Enkel solle sich um ihn keine Sorge machen, er solle besser über seine eigene Zukunft nachdenken. Wenn er und seine Generation den gleichen Fehler machen würden und mit diesem Thema weiterhin so unsorgsam umgingen, dann käme das gar nicht gut. Harry schaute seinen Grossvater fragend an, wollte wissen, wie er das meine. Wie er es sage, lächelte der Grossvater, wenn die Politiker sich weiterhin nur um den Stimmenfang kümmern würden, anstatt ihrer wirklichen Arbeit nachzugehen, dann würde sich nie etwas ändern, das sei dann gar nicht mehr gut, wenn er und seine Generation einmal alt seien.

18. September 2016


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