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Brunos Tramnotizen – N°82

Lässig lümmelten sich die beiden jungen Männer auf die Bank, Kaugummi kauend, der eine fingerte unaufhörlich auf seinem Smartphone herum, der andere zog sein Laptop aus der Umhängetasche und stöhnte, er werde einfach nicht schlau aus der doofen Studie, die sie für die Verkaufsabteilung machen müssten. Aus dem Gespräch ging hervor, dass die beiden Studenten waren und nebenbei für einen Onlinehändler jobbten. Ihre Aufgabe sei es, abzuklären, wie viele Kunden aus welchen Gebieten was für Schuhe übers Internet bestellen würden. Das sei doch egal, grinste der mit dem Mobile, Hannes hiess er, Hauptsache sei, sie hätten wieder eine Zeit lang Kohle. Yannik, der andere, meinte, das sei ihm nicht egal, er könne nicht nachvollziehen, was der Nonsens solle. Laut den Daten würden Frauen in den grösseren Städten eher Stiefel bestellen, und zwar halbhohe, Frauen etwas ausserhalb in der Agglo dagegen vermehrt offene, sogenannte Pantoletten, solche bei denen die Zehen und Fersen herausschauen würden... und Frauen in kleineren Städten würden auf Pumps stehen. Ja, das sei Blödsinn, meinte Hannes, mit derartigem Scheinwissen liesse sich kein intelligentes Marketing machen. Tun die aber, sagte Yannik und schüttelte den Kopf. Gestern habe er ausgerechnet, dass verheiratete Kundinnen durchschnittlich über 500 Stutz pro Jahr für Schuhe auslegen würden, und wenn sie alleine leben würden, nur etwa 260. Da, ... genau da habe er es, meinte Hannes grinsend, das beweise doch immerhin, dass die Gehälter von Frauen auch heute noch tiefer seien, als die von Männern. Eben, nervte sich Yannik, das wisse man doch sowieso. Eine andere Angabe würde besagen, dass Frauen für die Ferien fünf Paar Schuhe einpacken würden, Männer nur deren zwei. Ja-ja, brummte Hannes, auch diese Weisheit bringe nichts. Er glaube, die vom Verkauf würden solche Spielereien sowieso nur brauchen, um irgendwelche Entscheidungen rechtfertigen zu können. Gestern habe er aufgrund der Daten festgestellt, dass die 10,8 Schuhpaare, die Frauen besitzen, weniger als einmal pro Monat getragen würden. Männer würden sich übrigens mit 4,2 Paar begnügen. Auch mit dieser Erkenntnis würden sie nicht mehr Umsatz machen. Beide schwiegen einen Moment, dann schaute Yannik zu Hannes hinüber, fragte, wie viele Schuhe er denn habe. Hannes lachte, die Sneakers, die er trage und daheim noch ein Paar Jogging-Schuhe. Schliesslich fügte Hannes grinsend hinzu, wenn er nach Abschluss des Jobs die Kohle kriege, dann würde er noch ein Paar mehr haben, er werde sich schöne Budapester leisten, mit denen kriege er bestimmt einen besseren Job!

11. September 2016


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