Das Online-Magazin
«Der Kreis 8 hat vieles zu bieten - überzeugen Sie sich selbst!»

Brunos Tramnotizen – N°80

Das Kleid sei wahnsinnig schön, und die Pumps dazu seien einfach chic, auch wenn das ihr Budget etwas arg strapaziere, sie müsse sich das kaufen. Nina, so hiess die hübsche junge Frau, schwärmte von ihrem letzten Schaufensterbummel. Das Kleid passe wie angegossen, die Qualität sei hochwertig und die Pumps, die seien absolut einmalig. Elena, ihre Freundin stöhnte, es sei doch immer das gleiche mit ihr, man könne sie nie alleine lassen, schon gar nicht beim Shoppen. Das Zeugs sei einfach zu teuer. Sie solle sich im Internet schlau machen und nach günstigeren Angeboten suchen. Nina presste die Lippen zusammen, schaute enerviert zu Elena hinüber, meinte, bei ihr sei nur der Preis massgebend, alles müsse billig sein. Das sehe man einfach. Ja, man sehe es an ihr, sie trage allenfalls Kopien eines Originals, das sei..., das sei so etwas von cheap! Sie bezahle vielleicht mehr für ihre Klamotten, sie habe eben noch Freude an edlem Material, einem passenden Schnitt, einer guten Qualität. Dafür verzichte sie auch mal, kaufe sie sich vielleicht etwas weniger... Das sei doch alles Quatsch, meinte Elena. Das gleiche Stück finde sie im Internet immer billiger. Ja klar, spottete Nina, in zweit- oder drittklassiger Qualität, billige Verarbeitung aus Asien. Nach zweimal Tragen sei es aus der Form, wo denn da die Freude bleibe? Und – das käme hinzu – ob sie denn keine Skrupel hätte, solche Klamotten seien unter denkbar unwürdigen Bedingungen hergestellt worden. Das sei doch nicht wahr, wehrte sich Elena, billig müsse nicht per se schlecht sein. Die würden das eben in grösseren Stückzahlen machen, dann käme es auch günstiger. So-so, sinnierte Nina, wenn also ihre Blusen im regulären Verkauf keine zehn Franken kosten, müsse sie sich doch fragen, ob da die Bauern für die Baumwolle und die Näherinnen überhaupt einen Lohn gekriegt hätten. Sie solle doch jetzt nicht auf Moralapostel machen, zischte Elena, sie sei einfach nicht gewillt, irgendwo mehr zu bezahlen, wenn sie es billiger haben könne. Eine Weile schwiegen beide. Schliesslich meinte Nina, dass sie beide in dieser Sache wohl eine ganz andere Einstellung hätten. Beim Essen sei es auch so. Das letzte Mal, als sie zu ihr nachhause gekommen sei, habe ihr das Chicken Curry ja auch geschmeckt, geschwärmt habe sie davon! Dafür habe sie allerdings ein Huhn gekauft, das diesen Namen noch verdiene. Sie kenne doch nur ihre tiefgefrorenen Chicken Nuggets, die Portion für 99 Cent. Da müsse sie auch wissen, dass solche Hühner nie wirklich gelebt hätten. Elena machte die Augen gross auf, lachte, das sei etwas ganz anderes, sie habe eingekauft, sie habe eingeladen, aber ja, es wäre mega-fein gewesen! Uii-ja, Chicken Curry aus echten Hühnern, sie kriege augenblicklich Hunger... wann Nina sie wieder dazu einlade.

28. August 2016


Zürich Kreis 8 Newsletter

Um informiert zu bleiben und regelmässige Updates zu erhalten, können Sie unseren Newsletter hier abonnieren - kostenlos und unverbindlich.




Schliessen