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Brunos Tramnotizen – N°78

Die drei Burschen kriegten alle Stielaugen, als die zwei jungen Frauen an der Feldeggstrasse in den 4er zustiegen. Die Frauen trugen extravagante Designerkleider, drückten sich an den Jungs vorbei, ohne sie auch nur mit einem Blick zu würdigen, setzten sich auf die nächste Bank, amüsierten sich über dies und jenes und lästerten über schlecht angezogene Männer. Also, worauf sie sofort achte, meinte die Blondine, das sei die Unterwäsche. Wenn die nicht cool sei, nicht sexy, dann sei der Typ bei ihr sofort weg vom Radar. Dazu würden Typen mit zu knappen Slips zählen, mit farbig gemusterten, das sehe scheusslich aus, Träger solcher Unterwäsche seien meist noch beim Mami zuhause. Und Jungs mit den schwabbeligen und überlangen Boxershorts, die seien in der Spätpubertät stehen geblieben. Was sie gar nicht möge, seien erwachsene Männer, die glauben, irgend ein Label mit übergrossem Schriftzug aus den Hosen nach oben ziehen zu müssen und so auf David Beckham machen... Jaja, von denen kenne sie auch welche, meinte ihre Freundin, die mit den Calvin Klein- und Hugo Boss-Kampfgürteln... meist würden sie ihre Unterhosen über mehrere Tage tragen, igitt! Die Burschen schauten sich betreten an, zogen diskret ihre tiefsitzenden Jeans nach oben, achteten, dass ihre T-Shirts den Blick auf Bauch und Hintern bedeckten. Die Blonde lachte laut heraus, nicht wegen der Burschen, die ignorierte sie weiterhin. Ja und ganz schlimm seien die, die auf retro machen würden, äh, mit weiss geripptem Stoff und Eingriff, das sei so etwas von einem No-go! Die Freundin pflichtete ihr bei und meinte, überhaupt seien echt coole Jungs nur ganz nackt wirklich heiss. Die beiden Frauen standen auf, drückten sich wieder an den Burschen vorbei ohne diese eines Blickes zu würdigen, stiegen an der Kreuzstrasse aus. Diesmal machten die Burschen keine Stielaugen mehr, Chicks seien das, zischte der mit der Kappe. Der Bursche am Fenster, Raffi hiess er, grinste, fragte seine beiden Kumpels, was sie den für Unterhosen hätten, warum sie diese vorher versteckt hätten. Die beiden schauten sich an, hoben ihre T-Shirts hoch, zeigten die übergrossen Schriftzüge ihrer Labels und meinten, die seien doch sehr angesagt. Raffi grinste weiter, das sei doch nicht das Problem. Sie sollten sich besser überlegen, ob sie überhaupt mit solchen Frauen etwas anfangen wollten. Die Blonde habe auf der Hülle ihres Mobiles ein Pferd abgebildet gehabt, die andere einen Hund. Also bei Frauen mit Pferd wäre man ohnehin nur die Nummer drei, nach dem Ross und dem Stallburschen. Und bei Frauen mit einem Hund bliebe man immer Nummer zwei. Die beiden Kumpels schauten sich an und wollten schliesslich wissen, was denn Raffi für Unterhosen trage. Raffi lachte und antwortete schlagfertig: gar keine!

14. August 2016


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