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Brunos Tramnotizen – N°67

Der Vater und dessen Sohn stiegen am Bellevue in den 2er, setzten sich schweigend und mit finsterer Miene nebeneinander auf die erstbeste Bank, bis zum Stadelhofen sagte keiner etwas. Schliesslich fingerte der Vater aus seiner Jackentasche ein Smartphone hervor, hielt es dem Sohn hin, bat flehend, er solle es jetzt endlich zurücknehmen. Der Sohn, Noah hiess er, ignorierte die Geste und ebenso die Bitte, schaute vor sich ins Leere, presste die Lippen zusammen und schwieg. Der Vater versuchte es mit der Erklärung, dass er und seine Mutter, sein Handy einfach einmal konfiszieren mussten. Er sei nur noch online gewesen, hätte sich an keine Vereinbarung gehalten, er sei nonstop auf WhatsApp, YouTube, am Chatten, Simsen oder Gamen gewesen, es hätte so schlicht nicht weitergehen können. Jetzt seien die sieben Tage Sperre um, jetzt könne er es wieder haben. Er solle es behalten, er wolle das Handy nicht mehr, zischte Noah. Der Vater erschrak, fragte, wie er das denn meine. Der Sohn lehnte sich zurück, versuchte entspannt zu wirken, meinte lächelnd, er brauche es nicht mehr, es mache keinen Sinn, er müsse ja auch nicht dauernd erreichbar sein. Der Vater schluckte leer, schaute seinen Sohn fragend an. Noah fuhr fort, es sei einfach total ungerecht, was sie da gemacht hätten, seinen Freunden hätte er eine Woche lang erklären müssen, warum er ohne Handy sei. Jetzt wisse man das, jetzt sei es ihm egal. Es sei krass, was sie sich da erlaubt hätten, sie hätten alle seine Kontakte gecheckt, das sei total privat, die gingen niemanden was an, auch nicht sie. Der Vater versuchte sich zu erklären, vergeblich. Noah sagte seinem Vater, er könne das Handy wieder einpacken, er wolle es definitiv nicht mehr, er wolle kein Smartphone, auf das auch sie Zugriff hätten. Noah stand auf, ging zur Tür, war sichtlich wütend. Der Vater sah ein, dass er so nicht weiter käme, fragte, ob er sich denn selber eines kaufen wolle. Noah sagte ja, und zwar eines, dessen Pin nur er kenne. Okay, meinte der Vater, dann gebe er ihm sein Handy nicht zurück, dann verkaufe er es ihm für einen symbolischen Franken. Ob er jetzt total spinne, fragte Noah. Nein, er meine es ernst, sagte der Vater. Er gebe ja zu, das mit der Sperre sei vielleicht etwas happig gewesen und das mit dem Checken seiner Kontakte nicht okay. Also, er verkaufe es ihm für einen Franken und er dürfe auch einen eigenen Pin eingeben, er verspreche es, es sei dann wirklich sein eigenes Handy. Noah tat erstaunt, liess seinen Vater zappeln, sagte, er könne ihm das Handy zuhause zurückgeben, er zahle einen Franken. Das mit der Regelung wolle er aber schriftlich. Der Vater schien erleichtert, stand auf, ging zu Noah, legte den Arm auf dessen Schultern, sagte nichts. Noah grinste.

29. Mai 2016


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