Das Online-Magazin
«Der Kreis 8 hat vieles zu bieten - überzeugen Sie sich selbst!»

Brunos Tramnotizen – N°66

Die vier Jungs und die beiden Mädchen stürmten an der Feldeggstrasse fröhlich in den 2er, blödelten herum und machten sich über den Unterricht lustig, offensichtlich ging es um das Thema Sexualkunde und die Sitten und Gebräuche verschiedener Ethnien. Es sei doch klar, dass man es überall auf der Welt anders machen würde, meinte der Blondschopf mit der Mütze. Eines der Mädchen kicherte, wenn Ramadan sei, dann sei eben Ramadan. Klar, grinste ihre Freundin, da werde erst nach Sonnenuntergang geknutscht. So ein Blödsinn, meldete sich der Junge am Fenster, Arslan hiess er, er müsse es ja wissen, es sei in seinem Land nicht anders als hier. Überhaupt, habe das Thema mit Religion wenig zu tun. Und was die Religion anbetreffe: Strenggläubige Muslime hätten ihre Regeln, wie übrigens Christen auch, und Christen hätten zum Thema Sex ebenfalls sehr dumme Sitten und Gebräuche. Seine beiden Onkel würden in den USA leben und die berichten über eine ganze Menge idiotischer Gesetze. Die beiden Mädchen lachten, er solle erzählen, wie es die Amis machen. Arslan räusperte sich und begann, im Staat Washington, wo sein Onkel Berkay lebe, sei es gesetzlich verboten, mit einer Jungfrau Sex zu haben, und das auch in der Hochzeitsnacht! Echt, ohne Witz! Also, wenn sich die Amis daran halten würden, dann gäbe es schon lange keine Amis mehr! Die Mädchen und die anderen Jungs lachten schallend. Und, in Florida, wo sein anderer Onkel lebe, Tarek, stehe im Gesetz, dass nur die Missionarsstellung erlaubt sei, jede andere Stellungen sei verboten! Wieder brach die Runde in Gelächter aus. Das sei noch nicht alles, fuhr Arslan fort, in Daytona Beach gebe es ein Gesetz, das es verbiete, öffentliche Abfallkübel sexuell zu belästigen... und in Connorsville, im Bundesstaat Wisconsin, dürfe ein Mann während des Orgasmus seiner Frau aus seinem Gewehr keinen Schuss abfeuern!... das sei doch voll krass! Als sich das Gejohle der Runde beruhigte, meinte der Blondschopf, in der Schule sei aber auch die Rede davon gewesen, dass grundsätzlich überall andere Regeln gelten würden. Wenn man aber aus einem anderen Land komme, so müsse man sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen. So wie wir uns in fremden Ländern an deren Regeln halten müssten, würden hier eben unsere Gesetze gelten. Für alle. Auch für die, die einen anderen Glauben hätten. Die Jungs und die Mädchen schauten sich an, dann hinüber zu Arslan. Der war erst verlegen, dann lachte er, das sei auch seine Meinung und es sei schön, dass in der Schweiz Sex mit Glauben nichts zu tun habe.

23. Mai 2016


Zürich Kreis 8 Newsletter

Um informiert zu bleiben und regelmässige Updates zu erhalten, können Sie unseren Newsletter hier abonnieren - kostenlos und unverbindlich.




Schliessen