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Brunos Tramnotizen – N°58

Der Bub am Fenster weinte still vor sich hin, die Tränen kullerten ihm eine nach der andere über die Backen, tropften runter auf sein himmelblaues Sweatshirt. Die Mutter neben ihm schien darob etwas verlegen, redete sanft auf ihren etwa siebenjährigen Sohn ein, vermochte ihn aber nicht zu beruhigen und wandte sich schliesslich ihrem Smartphone zu. An der Kreuzstrasse stieg ein junger Vater mit seiner Tochter in den 4er zu, beide scherzten sie laut und ausgelassen und setzten sich auf die Bank nebenan. Als das Mädchen, Aurora hiess sie, den Jungen weinen sah, griff sie nach der Hand ihres Vaters, schaute schweigend hinüber zum Bub und fragte schliesslich leise, warum er weine. Der Junge blickte kurz auf, schluchzte, sagte nichts. Das Mädchen stand auf, stellte sich vor den Jungen, fragte, wie er heisse. Der Junge holte Luft, Milo, sagte er. Die Mutter hatte ihr Smartphone weggelegt, schaute etwas überrascht zu ihrem Sohn und dem Mädchen, dann verlegen hinüber zum Vater von Aurora. Sein Kaninchen sei heute gestorben, es habe am Boden gelegen, sich nicht mehr bewegt, es sei einfach tot gewesen. Wieder schluchzte Milo, Aurora legte ihre Hände auf die von Milo, meinte nach einer Weile, das Kaninchen sei jetzt bestimmt im Himmel, es habe für alle Tiere einen Himmel, das habe ihre Oma gesagt. Im Himmel ginge es den Tieren gut, sie könnten den ganzen Tag spielen und hätten immer genug zu essen. Milo wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, schaute Aurora an, sagte, er sei sehr traurig, er habe das Kaninchen ganz fest lieb gehabt, jetzt habe er keines mehr zum Streicheln. Aurora fragte Milo, ob er auch Katzen möge. Milo sagte, er habe alle Tiere gerne. Aurora schaute Milo ganz ernst an und meinte, er solle doch zu ihr nachhause kommen, ihr Büsi habe vier Junge gekriegt, er dürfe sie streicheln. Aurora drehte sich um zum Vater, schaute ihn flehend an, er müsse es erlauben, Milo solle zu ihnen nachhause kommen. Der Vater lächelte, blickte zur Mutter von Milo hinüber, meinte dann schalkhaft, ja wenn es das Mami von Milo erlaube, klar doch, dann dürfe Milo sie besuchen. Die beiden Eltern schauten sich einen Moment überrascht und fragend an. Schliesslich meinte Auroras Vater, doch, doch, sie seien herzlich eingeladen. Als die Mutter von Milo zögerte, meinte Auroras Vater, es wäre wirklich kein Problem, sie dürfe auch noch jemanden mitnehmen. Milos Mutter rang erst etwas hilflos mit den Händen, gab sich schliesslich einen Ruck, meinte nein, sie sei alleinerziehend, sie käme... Auroras Vater unterbrach sie, lachte, alleinerziehend, ja das sei er auch. Sie sollen doch gleich am späten Nachmittag kommen. Die Kinder jubelten, Aurora umarmte Milo und Milo fand sein Lachen wieder. An der Fröhlichstrasse stiegen die vier aus, und es schien als wären sie schon immer zusammen gewesen.

27. März 2016


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