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Brunos Tramnotizen – N°98

Sie habe sich viel zuviel vorgenommen! Das sei stressig, für sie selbst und unzumutbar für ihre unmittelbare Umgebung, sie sehe aus als hätte sie ihre Finger heute Morgen im Bad in einer 220 Volt Steckdose vergessen! Die junge Frau, Anette hiess sie, lachte ob ihrer Freundin Kirstin, die bleich und nervös am Fenster auf dem Sitz herumrutschte. Sie solle ihre Vorsätze vergessen und mit ihr heute Abend auf einen Drink kommen. Anette umarmte ihre Freundin, versuchte sie aufzumuntern, strich ihr über die blonden Haare. Sie fühle sich so schwach, jammerte Kirstin, sie könne einfach nicht sein ohne Zigarette. Wenn sie jetzt aber schon nach 48 Stunden wieder damit anfange, fände sie das beschämend. Sie solle das nicht so eng sehen, meinte Anette, wenn sie weiter rauche, sei dafür das Abnehmen etwas leichter, das habe sie sich ja auch vorgenommen... so ein Blödsinn! Beides zusammen gehe sowieso nicht. Dann habe sie noch geschworen, beim Shoppen ein bisschen zurückhaltender zu werden, uiii... da sehe sie bei ihr ohnehin schwarz, hoffnungslos sei das gar! Ob sie sich denn keine guten Vorsätze genommen habe, fragte Kirstin. Anette lachte laut heraus, nie, gar nie würde ihr so etwas in den Sinn kommen. Früher, da habe sie es auch versucht, so ein Mumpitz sei das, die Versuche seien es nie wert. Man quäle sich wochenlang, damit auch alle Freunde, um dann irgendwann, spätestens ein paar Wochen danach zu kapitulieren, sich selbst einzugestehen, dass man es so nicht schaffe! Aber es habe doch einen Sinn, diese Tradition... wenn man im alten Jahr Bilanz ziehe, was gut und was schlecht gewesen war, sich dann an Silvester vornehme, im neuen Jahr alles, was nicht so gut war, besser zu machen... Anette lachte, das sei sentimentale Augenwischerei. Der Mensch sei nun mal ein fehlerhaftes Wesen. Der Mensch wisse zwar zwischen dem, was ihm gut tut oder was für ihn schlecht sei, zu unterscheiden, die Finger habe er aber von Sünden nie lassen können! Es sei deshalb nicht sinnvoll, mit Vorsätzen Besserung zu schwören. Aber man müsse doch auch aus Fehlern lernen können und diese nicht dauernd wiederholen, sinnierte Kirstin. Das gelinge nie mit Vorsätzen, entgegnete Anette entschieden. Der Mensch habe nun mal diesen unersättlichen inneren Drang nach Genuss, Bequemlichkeit und Wohlbefinden. Das sei ja per se nicht schlecht, man müsse nur wissen, wo die Grenzen seien... diese sollte man nicht überschreiten. Wie sie das mache, fragte Kirstin. Ganz einfach, erklärte Anette, sie stelle den imaginären Zähler immer wieder auf Null und beginne von neuem. Kirstin lächelte, fragte, ob ihr das gelinge. Manchmal, lächelte Anette zurück, manchmal auch nicht... man lebe doch nur einmal. Kirstin lachte, umarmte Anette und versprach, am Abend auf einen Drink zu kommen. 

02. Januar 2017


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