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Brunos Tramnotizen – N°96

An einem heiligen Sonntag, ...ein Festessen, ...und das ohne Braten, das könne er sich einfach nicht vorstellen! Der Mittvierziger im Anzug stritt sich mit einem etwas jüngeren Blondschopf in legerem Casual Look und buntem Schal. Lauthals besprachen die beiden Menüpläne, die hungrig machten. Doch-doch, auch ohne Fleisch, das ginge problemlos, grinste der Blondschopf. Es waren offenbar zwei Brüder, sie sollten an Weihnachten für alle ihre Familienangehörigen kochen, einer am 24., der andere am 25. Man müsse ja nicht an einem heiligen Tag Tiere schlachten, provozierte der Jüngere, das sei eine Gewissensfrage und nicht mehr zeitgemäss! Der Ältere spöttelte, heilig tun an einem heiligen Tag, dafür aber übers ganze Jahr beim Mc. Do und anderen Fast Foodies totes Zeugs zwischen Brotscheiben abholen, das sei noch nur pfui! Er habe immerhin ein ethisches Gewissen, was das Essen angehe, er verabscheue jeglichen Billig-Konsum, ob dies nun tierischen Ursprungs sei oder Vegi Food. Er verurteile skrupellose Tierhaltung und Händler, die EU-Lebendware über viele Ländergrenzen fahren würden, um überall Export- und Import-Subventionen von Brüssel zu kassieren, bis die Ladung wertmässig auf Null abgeschrieben werden könne und dann die Tiere erst in irgend einem über tausend Kilometer entfernten Schlachthof mehr tot als anders abladen würden. Das sei grässlich! Das werde nur gemacht, weil die Gesellschaft nach immer mehr Profit und immer billigeren Angeboten lechzen würde. Die unsägliche Gier des Menschen sei überall gleich verwerflich, bei der Produktion von Gemüse und Früchten übrigens ebenso, da würden die Händler genauso über Leichen gehen und die Umwelt mit Industrieplantagen kaputt machen. Der Blondschopf meinte, er wisse das alles auch. Trotzdem: Es sei doch vernünftig, wenn man nicht immer Fleisch fresse! Er habe ja nichts dagegen, wenn er seine Variante mit dem fünfstündigen Niedergar-Rindsschmorbraten und den Pappardelle am 24. serviere, darauf freue er sich!... er, und er bleibe dabei, er mache tags darauf einen leichten Vegi-Mehrgänger. Der ältere Bruder fragte gelangweilt, was er im Sinn habe. Ratatouille. Eine Ratatouille, serviert auf geschwellten Kartoffelhälften! Hm, machte Bruder, fragte, was es vorher gäbe. Ein Sauerkrautrahmsüppchen und gefüllte Blätterteigtäschchen. Hm, machte der Bruder erneut – und danach... Einen Schokoladekuchen, den echten, den puren, den, den er auch so möge. Hm, machte der Bruder wieder... und die sizilianischen Finger Lickin’ good? Die gäbe es ganz am Anfang, lachte der Blondschopf. Gut, sagte schliesslich der ältere Bruder, damit könne er leben. Der Blondschopf grinste und fragte seinen Bruder, ob er sich denn vorstellen könne, einmal die Küche zu tauschen – er mache seinen Rindschmorbraten und er... ob er wahnsinnig sei, entfuhr es dem Älteren. Eine Weile schauten sich die beiden an, dann lachten sie, gaben sich einen Handschlag und meinten, das wäre doch mal was ganz anderes!

Die Rezepte der beiden Brüder sind kostenlos erhältlich.
E-Mail senden an: redaktion@zurichkreis8.ch, Stichwort «Rezepte».


18. Dezember 2016


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