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Brunos Tramnotizen – N°52

Die zwei Studentinnen im 4er hatten einen Mordsspass, der Geschäftsmann vis-à-vis der beiden schien sie mit seinem Managerwissen ganz offensichtlich zu belustigen. Und tatsächlich, was dieser den Studentinnen mit wichtigen Gesten und einem nichtssagenden Slang zu erklären versuchte, war an Nonsens kaum zu überbieten. Alle seine Sätze begann er mit der Floskel ‚er denke’ und er beendete jeden Wortschwall mit ‚oder’. Als CMO des erfolgreichsten Sportausrüsters könne er genau erklären, wie man eine Studienarbeit über Marketing schreibe. Sie könnten sein Business Case übernehmen, das er bei der Lancierung der neusten Generation von Bodybags angewendet habe. Die beiden Frauen lachten schallend heraus, die am Fenster verschluckte sich beinahe, sagte fortwährend Leichensäcke, Leichensäcke! Der Mann begriff nicht, was die beiden Frauen derart lustig fanden und fuhr unbeirrt fort. Man müsse bei so einer Arbeit nur sensitiv vorgehen, das Produkt auf einem hohen Level positionieren, das Drumherum cool aufziehen, die Sache immer proaktiv performen und dann das Zielpublikum easy abholen. Die Lancierung der Bodybags habe er schliesslich an einem Anlass mit Public Viewing mit drei Dutzend Dressmans inszeniert... Die Studentinnen fielen vor Lachen beinahe von den Sitzen, Public Viewing?! wiederholte die eine mehrmals, die andere kriegte bei dem Wortbegriff Dressman schier keine Luft mehr. Der Mann schien immer noch nicht zu begreifen, dass er nicht ernst genommen wurde, lächelte immerzu vor sich hin, meinte schliesslich, dass ein Gespräch hier wohl etwas suboptimal sei, er aber sehr gerne bereit wäre, das Thema mit ihnen zielführend und ganz ohne Zeitfenster bei einem Drink zu diskutieren, auf Augenhöhe sozusagen, also er sei dafür easy zu haben und für sie total on board. Die Studentinnen brachten vor Lachen kein Wort mehr heraus. Am Stadelhofen erhob sich der Mann, streckte den beiden seine Karte entgegen, meinte er sei für sie jederzeit erreichbar und verabschiedete sich stolz mit einem lauten Bye-bye! Die beiden Studentinnen schauten sich einen Moment verdutzt an, die am Fenster holte tief Luft, meinte, dass das doch nicht wahr sein dürfe. Die andere schaute auf die Karte, Chief Marketing Officer stehe da drauf. Wieder lachten sie laut heraus und die Studentin am Fenster seufzte, wie es denn möglich sei, dass ein Mann so gut aussehe und gleichzeitig so blöd sei. Die andere suchte entschuldigend nach Worten, vielleicht habe er ja andere Qualitäten, aber mit Bodybags, was englisch soviel heisse wie Leichensäcke, oder Public Viewing, auch ein Synonym für öffentliche Aufbahrung... und als Dressman bezeichne man ebenso Transvestiten... da sollte der sich doch lieber vorher überlegen, wie man... wie sagte er noch?... jemanden abhole. Also, wenn der auch ganz normal reden könnte, würde sie ihm vielleicht nochmals eine Chance geben.

15. Februar 2016


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