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Brunos Tramnotizen – N°49

Er sei doch ein anständiger Politiker, da dürfe er sich solche verbale Entgleisungen nicht erlauben, das sei rassistisch, empörte sich die Frau. Die Zankerei der beiden war an der Höschgasse für alle Umstehenden gut zu hören, die Leute fanden es lustig, das Thema war allerdings ernster. Der junge Mann liess die Dame, die seine Mutter hätte sein können, seelenruhig ausreden. Schliesslich erklärte er ihr, dass es in unserer Gesellschaft an der Zeit sei, sich an ganz normale Gegebenheiten und Tatsachen zu halten. Wenn jemand von anderswo herkomme, eine andere Hautfarbe oder einen anderen Religionsglauben habe, gehöre er deshalb nicht automatisch irgend einer dahergeredeten Rasse an – in erster Linie sei er ein Mensch wie jeder andere auch. Es sei ein totaler Blödsinn, aus allen Menschen Rassen machen zu wollen. Wir würden uns hierzulande auch nicht als Rasse bezeichnen. Es seien nicht Rassen, die miteinander auszukommen haben, es seien Menschen. Und wenn man über andere Menschen rede, die hier etwas täten, was schlicht nicht hierher passe, dann dürfe man das sagen, auch beim Namen nennen. Das habe nichts mit Rassismus zu tun. Der 4er hielt, die Leute stiegen ein. Im Tram ging die Debatte weiter, um Begriffe wie die Integrationsbereitschaft, den Zuwanderungsfluss und die Ghettoisierung von ethnischen Gruppen. Schliesslich hielt der junge Politiker der Dame vor, dass genau ihre Generation und die ihrige davor damit angefangen habe, Migranten abseits zu isolieren anstatt zu integrieren. So seien ganze Strassenzüge und Aussenquartiere entstanden, wo die Fremden ihre eigene Kultur gelebt hätten. Man habe es zugelassen, dass so Parallelgesellschaften entstanden seien, Parallelgesellschaften mit anderen Sitten und eigenen Gesetzen. Und heute wundere man sich, wenn diese mit unseren Ansichten nicht übereinstimmen würden. Er sei überhaupt nicht gegen Fremde, er heisse sie genauso willkommen, wie sie ihn in ihren Ländern auch willkommen heissen – solange er sich selbstredend an die dortigen Gepflogenheiten halte. Hier gedenke er es ebenso zu halten. Man solle Migraten nicht nur fördern, man müsse sie auch fordern. Die Frau gab dem jungen Mann schliesslich zögernd recht, monierte aber, dass dieser sich nicht überall an das halte, was er da sage, seine Politik höre spätestens in seiner Freizeit auf, in seinem Club bewerte er das doch ganz anders. Der Mann war einen Augenblick sprachlos über diesen Einwand, lachte dann aber laut hinaus: Wenn einer hier gut Fussball spiele, heisse das noch lange nicht, dass die Schweiz zum Islam gehöre!

24. Januar 2016


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