Das Online-Magazin
«Der Kreis 8 hat vieles zu bieten - überzeugen Sie sich selbst!»

Brunos Tramnotizen – N°47

Er werde jetzt offiziell als Verbrecher angeschaut, so fühle er sich jedenfalls, er käme gerade von der Vernehmung, die Bezirksanwaltschaft werde ein Verfahren eröffnen, wegen schwerer Körperverletzung. Der Mann war ausser sich, seine Hände zitterten, sein Begleiter, ein Geschäftsmann, und wie aus dem Gespräch hervorging, offenbar auch sein Arbeitgeber, beschwichtigte, das müssten die von Gesetzes wegen tun, er solle sich beruhigen, er habe für ihn den besten Anwalt engagiert. Der Mann liess sich aber nicht beruhigen, er kam mit dem 2er offenbar geradewegs vom Bezirksgericht. Die beiden Einbrecher seien in seiner Wohnung gestanden, er sei aufgewacht und ihnen nur in den Unterhosen im Wohnzimmer begegnet. Er habe nicht anders können, die Kinderzimmertüre sei offen gewesen und seine Frau ebenfalls erwacht. Da habe er die beiden eben verprügelt, einer sei gleich zu Boden gegangen, den anderen habe er so lange verdroschen, bis dieser ruhig war. Die Polizisten, die dann kamen, hätten ihn bei der ersten Einvernahme noch gelobt, die Einbrecher gehörten zu einer lang gesuchten Bande von Kriminaltouristen, keine ungefährlichen Bubis, bewaffnet seien sie auch gewesen. Der Begleiter versuchte vergeblich den Mann zu beruhigen, der stand nun auf, empörte sich mit bebender Stimme, der Bezirksanwalt habe ihm nahegelegt, dass man in einem solchen Fall nicht Gewalt anwenden dürfe, Ruhe bewahren müsse, sich irgendwo einschliessen und mit dem Natel die Polizei rufen. So ein Blödsinn habe ihm dieser Sesselfurzer vorgesungen! Und so ein Idiot sei für die Rechtsordnung zuständig! Da habe er ihm eben gehörig die Meinung gesagt, dass er etwas anderes in den Unterhosen habe, sicher kein Natel! Die Wahrheit habe er dann gesagt, dass er keine Angst gehabt habe, dass er sauwütend war, ja, und dass es ihm überhaupt nicht leid täte, es ihm hundepfupf sei, dass den beiden noch nach einem halben Jahr alles weh täte. Wurst sei ihm das, er würde solches Gesindel wieder verhauen..., ja, und jetzt würden die ein Verfahren eröffnen, nur weil er keine Reue zeige, die Wahrheit gesagt habe und sich bei dem Pack nicht entschuldige. Der Mann, mittelgross, von kräftiger Statur, ein Handwerker und Familienvater, vertrauenswürdig, völlig unauffällig: Die Geschichte wollte einfach nicht zu ihm passen. Er setzte sich wieder, meinte dann, zum Glück habe er auch einen Migrationshintergrund, sonst würden sie ihm möglicherweise noch Fremdenfeindlichkeit anhängen. Er schnaubte eine Weile vor sich hin, schwieg. Sein Begleiter nutzte die Chance, endlich etwas zu sagen, lächelte beruhigend, sagte, die Anwaltskanzlei habe ihm ausrichten lassen, dass er sich keine Sorgen machen müsse, sie würden dem juristischen Cabaret ein schnelles Ende setzen und dafür sorgen, dass dieses Thema auch politisch aufgenommen würde, schliesslich sei die Schweiz ein Rechtsstaat, da gelte es, alle Grundwerte zu respektieren.

10. Januar 2016


Zürich Kreis 8 Newsletter

Um informiert zu bleiben und regelmässige Updates zu erhalten, können Sie unseren Newsletter hier abonnieren - kostenlos und unverbindlich.




Schliessen