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Brunos Tramnotizen – N°41

Das junge Pärchen stieg händchenhaltend in den 4er, setzte sich kuschelnd auf die erste Bank am Fenster. Schweigend sahen sie nach Draussen, es war nass und windig. Die beiden waren 17 oder 18, gingen noch zur Schule. Es nähme sie schon wunder, was in Paris jetzt passiere, begann das Mädchen, sie hätten letzte Woche in der Schule eine Riesendiskussion um gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge gehabt und seien dabei auf das Thema Klimawandel gestossen. Der Junge meinte, dass sich da kaum etwas bewegen würde, so wie an den 20 Klimagipfeln zuvor. Selbst wenn Ziele definiert würden, die Wirtschaft halte diese sowieso nicht ein, kaufe lieber Emissionszertifikate und mache weiter wie bis anhin. Vielleicht, das möge ja sein, würden sich ein paar wenige Exponenten in die richtige Richtung bewegen, solche, die Verantwortung übernehmen würden, die wissen, dass es nach dem Heute auch ein Morgen gäbe, aber nicht die Banken, bei denen gehe es nur um schamlose Gier. Und von den Banken sei die Wirtschaft abhängig und von dieser die Politik. Die denken alle nur an sich selbst, an ihre eigenen Vorteile, alles andere interessiere sie nicht. Und für die Konsequenzen könne man sie nicht einmal mehr zur Verantwortung ziehen, sie würden es ja nicht mehr erleben. Ausbaden müssten das die kommenden Generationen. Wieder schauten beide schweigend aus dem Fenster. Nach einer Weile meinte das Mädchen, dass die Eisschmelze der Polarkreise die Allgemeinheit bis anhin noch zu wenig erschrecke, aber bald gäbe es mit dem langsamen Versinken der Fidschi-Inseln und der Malediven die ersten Klimaflüchtlinge. Spätestens dann, da sei sie sich sicher, würden auch die letzten Ignoranten sich an der Nase nehmen müssen. Der Bursche ergänzte, ja, und wenn die Holländer wegen des ansteigenden Meeresspiegels plötzlich nasse Füsse kriegen und wir mit ihnen die Alpen teilen müssten, dann vielleicht... die beiden begannen zu lachen, aber irgendwie fehlte ihnen die Unbeschwertheit, die man von Jugendlichen sonst erwarten würde. Sie wirkten erwachsener als sie es waren, besonnen. Und trotzdem, sie sahen nicht aus wie junge Schwarzmaler, die mit sich und ihrer Umgebung haderten. Sie liebten sich, das sah man, sie freuten sich auf eine Zukunft.

29. November 2015


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