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Brunos Tramnotizen – N°33

Der 2er stand schon da, der Tramführer machte vor dem Kiosk Tiefenbrunnen eine Zigarettenpause. Ich stieg vorne ein, setzte mich neben die ersten Fahrgäste, offensichtlich ein Vater und dessen Sohn. Die beiden machten ein bedrücktes Gesicht, schwiegen. Erst als der 2er losfuhr, begann der Sohn zu reden, es sprudelte richtig aus ihm heraus. Er brauche das neue Handy, bei seinen Grosseltern habe es keinen Internetanschluss. Wenn er samstags dort sei und mit dem Haushalt fertig wäre, der Oma geholfen habe, Opa ins Bett zu bringen, müsse er seine Hausaufgaben machen. Mit dem Hotspot des Smartphones könnte er ins Internet. Das wisse er, unterbrach ihn sein Vater. Aber es sei verdammt eng mit dem Budget. Das Geld reiche einfach nirgendwo hin, alle hätten ein Handy und ein teures Abo, seine Mutter, seine beiden Schwestern, dazu kämen die Abos für den ÖV, die Krankenkasse koste auch wieder mehr, er wisse einfach nicht, wohin das führe. Der Sohn schwieg, es war ihm peinlich, er rieb sich geniert die Hände, meinte, den Vertrag für die Lehrstelle habe er ja, sobald er Lohn bekäme, sehe es wieder besser aus, da würde er das alles selber bezahlen. Ob es den wirklich so ein teures Smartphone sein müsse, fragte der Vater. Der Sohn öffnete den Mund zwei Mal, ohne etwas zu sagen, meinte schliesslich, er sehe ja ein, dass die Idee mit dem teuren Abo-Vertrag und dem vermeintlich halb geschenkten Handy reine Abzocke sei, aber er könne das alte iPhone 5 von einem Kollegen für wenig Geld kriegen, der habe sich das neue 6s gekauft, und er würde das günstigste Abo nehmen, das reiche, er brauche das Handy ja nicht für unnötige Downloads und so Gugus. Wieder schwiegen beide eine ganze Weile. Dann meinte der Vater, dass er doch auch mittwochs nach der Schule zu Opa gehen könne, wenn er bis abends bleibe und Oma helfe, könnte man die Kosten für Opas Pflegehilfe einsparen. Der Sohn schaute lange zu seinem Vater rüber, sagte erst nichts, schluckte leer, fragte, was denn sei, wenn er einmal nicht könne. Der Vater legte den rechten Arm um die Schultern seines Sohnes, meinte, wenn das mal vorkomme, dann würde er schon einspringen. Der Sohn willigte ein, sagte okay, der Vater drückte seinen Sohn kurz an sich, sagte ebenfalls okay, dann schwiegen beide. Am Stadelhofen stieg der Sohn aus, die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Der Vater schaute traurig zum Fenster hinaus, die Lippen fest zusammengepresst, er war den Tränen nahe. Man sah ihm an, dass er für seinen Sohn alles tun würde, es ihm gerne leichter machen würde.

4. Oktober 2015


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