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Brunos Tramnotizen – N°27

Das Thema Geld beschäftigt einen wohl lebenslänglich. Während für viele schon scheinbar kleine Probleme zu ganz grossen werden, gibt es andere, die so viel Geld haben, dass es kein Thema sein sollte. Dem ist aber nicht so. Sie rennen zwanghaft jeder noch so kleinen Vergünstigung hinterher, jubeln bei jedem vermeintlichen Gewinn, und sie weinen erbärmlich, wenn die Börsenkurse ein paar Prozente nachgelassen haben, wenn auch nur auf dem Papier. Man mag da gar nicht mehr hinhören. Die Geschichte, die der Jungunternehmer im 4er seinem Freund erzählte, geht mir allerdings nicht mehr aus dem Kopf. Vor zwei Jahren habe er für sein Start-up mit einem Aktienkapital von 100'000 Franken eine AG gegründet - 100'000 Aktien zum Nominalwert von einem Franken. Inzwischen würden über ein Dutzend Spezialisten an dem sehr erfolgreichen Projekt arbeiten, er benötigte Geld. Ein Investor, der das Potenzial seines Hightech-Produktes erkannt habe, beteiligte sich mit fünf Millionen Franken. Dafür wurde das Aktienkapital um 25'000 Aktien erhöht, der Investor hält jetzt 20% an der Firma. Nun hätten ihm die Zürcher Steuerbehörden vorgerechnet, dass sein Start-up 25 Millionen Franken wert sei: Wenn 25'000 Aktien fünf Millionen wert wären, hätten seine 100'000 Aktien einen Wert von 20 Millionen, das sei jetzt als Vermögen zu versteuern. Der Freund des Jungunternehmers schüttelte ungläubig den Kopf und meinte, seine Firma schreibe ja noch gar keinen Gewinn. Nein, das nicht, erwiderte der Jungunternehmer, dennoch habe er jetzt eine Rechnung von total 122'883 Franken für Staats- und Gemeindesteuern auf dem Tisch. Er wisse nicht, was er machen solle, der Betrag übersteige sein ganzes Jahreseinkommen. Übrigens lege nur der Kanton Zürich das Steuergesetz so engstirnig aus, wäre der Geschäftssitz in einem anderen Kanton, müsste er nur die 100'000 versteuern, den Nominalwert seiner Aktien. Er versuche, diesem Unsinn auf dem Rechtsweg einen Riegel zu schieben. Das könne er vergessen, meinte sein Freund. Der Jungunternehmer lächelte blass, erzählte, was ihm der zuständige Steuerbeamte, ein netter und verständnisvoller Herr, geraten habe. Der habe gesagt, er könne ja Privatkonkurs anmelden und danach den Firmensitz verlegen, ausserhalb von Zürich. Seit dieser Geschichte frage ich mich, ob in der Politik die Rechte eigentlich weiss, was die Linke tut. Und wie war das mit Bundesrat Amman? Der wollte doch im Kanton Zürich ein Silicon Valley für Start-up's eröffnen!

25. August 2015


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