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Brunos Tramnotizen – N°25

Die beiden jungen Männer plauderten schon eine ganze Weile an der Höschgasse über die hochstehende Qualität griechischen Olivenöls und dessen bodenloses Preisniveau. Ärgerlich sei, meinte der eine, dass die Griechen derzeit gezwungen wären, ihr Öl praktisch zur Hälfte des aktuellen Marktwertes an italienische Grosshändler zu verscherbeln. Die Italiener hatten im vergangenen Jahr eine Missernte, würden aber gleich viel Öl auf dem Markt anbieten wie in guten Jahren. Das griechische Öl würde als italienisches Extra Vergine etikettiert und teurer verkauft als im Vorjahr. Die beiden stiegen in den 4er, einer von ihnen war offenbar selbst Grieche und als Importeur tätig, sein Lager hatte er in Altstetten. Zum Glück habe er keine Probleme mit dem Import griechischer Waren. Auch wenn die Geldtransfers mit dem Ausland teils verboten seien, die Griechen an kein Bargeld mehr kämen und Paypal gesperrt sei. Mit seinen Freunden geschäfte er mit Bitcoins. Im Import-Export-Geschäft gäbe es praktisch keinen Partner mehr, der nicht schon auf die Digital-Währung Bitcoin ausgewichen sei. Geldtransfers mit Bitcoins würden von den Kapitalverkehrskontrollen nicht erfasst, können weder von der Regierung noch den Banken kontrolliert werden. Der Begleiter des Griechen verstand das System nicht, wollte wissen, wie das funktioniert. Der Grieche kramte sein Tablet aus der Aktentasche. Er solle jetzt annehmen, er würde etwas bei ihm für 100 Euro kaufen. Dann gebe er als Verkäufer via die App "bitpay" 100 Euro ein, tippe auf ok. Er als Käufer müsse dann mit seiner App auf dem Handy den QR-Code auf dem Tablet scannen - auf dem Tablet sah man das schwarz-weisse Muster und den Betrag 0,3933 Bitcoins. Der Grieche fotografierte es zur Demonstration mit der Bitpay-App auf seinem Handy. Sekunden später blinkte das "ok" auf dem Tablet auf. Die Bezahlung würde innerhalb von Minuten gutgeschrieben und dann zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Euro umgetauscht und an sein Konto geschickt - man könne es aber auch anders einrichten. In Griechenland gebe es inzwischen viele Geschäfte, Hotels und sogar Restaurants, wo man mit Bitcoins bezahlen könne. Obwohl das System noch neu sei, es auch Kursschwankungen gebe und die Währung Freaks und Cyber-Kriminellen zugeschrieben würde, wenn das traditionelle Zahlungssystem nicht funktioniere, bliebe gar nichts anderes übrig, als mit Bitcoins zu geschäften. Inzwischen gebe es ja auch Bitcoin-Geldautomaten, sogar in der Schweiz, die Finma habe das bewilligt. In Zürich habe es einen ersten Automaten im Seefeld. Im kleinen Bistrot und Lebensmittelladen hinter der Tankstelle an der Horneggstrasse. Da könne man Bitcoins kaufen und verkaufen oder bis zu 300 Euro Bargeld abheben, mehr als seine Landsleute in Griechenland. Ich musste an Varoufakis denken. Ob er wohl darin auch eine Lösung sah, in Bitcoins?

10. August 2015


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