Der Kreis 8 hat vieles zu bieten - berzeugen Sie sich selbst!

Brunos Tramnotizen N93

Die drei Mädchen stiegen am Bellevue in den 4er, machten es sich vorne auf zwei Sitzreihen bequem, scherzten und lachten, tippten unablässig auf ihren Smartphones herum. Die Blondine schien eine besonders amüsante Message über WathsApp erhalten zu haben, schubste ihr Gegenüber, Melanie, zeigte ihr ein Foto auf dem Display, die beiden kicherten, umarmten sich, lachten dann...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N91

Er habe Angst, einfach immer Angst. Das nehme zu, von Tag zu Tag, jedes Mal, wenn er morgens ins Office komme. Und abends, auf dem Heimweg, werde er das Gefühl nie los, er könnte zu den nächsten gehören, die gehen müssten. Der Mann schaute bleich zum Fenster hinaus, Marc hiess er. Marc war etwa Mitte vierzig, arbeitete im Asset-Management einer Privatbank. Sein Freund...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N92

Die beiden stiegen am Stadelhofen ganz vorne in den 4er. Der Vater hatte den Arm um die Schultern seines Sohnes gelegt, strich ihm mit der Hand väterlich über den Kopf. Beide schwiegen. Der etwa 14jährige Sohn kämpfte mit den Tränen, seine Hände zitterten. Die Sache sei ihm so peinlich, begann der Bursche schliesslich, eine totale Blamage wäre das gewesen, die...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N90

Die alte Dame sass alleine auf einer Zweierbank, lächelte glückselig vor sich hin, die Augen hielt sie halb geschlossen, ihre Hände ruhten auf einer weissen von Kinderhand bemalten Kartonschachtel. Die Dame sah rüstig aus und sie war auffallend gepflegt gekleidet. Seit sie am Tiefenbrunnen in den 4er gestiegen war, hob sie schon zum vierten Mal den Deckel mit der Linken leicht...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N89

Die Zweihunderternote fiel lautlos zu Boden. Niemand schien etwas bemerkt zu haben. Ausser dem Rentner, dem die Note buchstäblich vor die Füsse fiel. Der Rentner wusste nicht recht wie ihm geschah, sass erst da wie gelähmt, vergewisserte sich, ob nicht noch jemand bemerkt hatte, was soeben passierte, dann bückte er sich, fingerte mit zittriger Hand nach dem Schein, nahm ihn zu...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N88

Die drei Burschen waren auf Konfrontation aus, provozierten an der Höschgasse umstehende Leute mit Faxen, suchten offensichtlich Zoff.  Doch grundsätzlich, das sah man gleich, es war nicht wirklich böse gemeint von den Jungs, es schien mehr, als ob sie Aufmerksamkeit suchten. Der kleine Blonde posierte sich direkt und ganz nahe vor einen Mann mittleren Alters, grinste ihn an,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N87

Grau, nass und kalt war es an diesem Tag, der 4er kam vom Bellevue bereits rappelvoll am Stadelhofen an, es war abends um sechs, die Leute wollten nur noch nachhause. Auf dem letzten Zacken schafften es ein Mädchen und ein Bursche mit einem Sprung auf das Trittbrett in das übervolle Tram. Die beiden Teenager waren um die siebzehn, mochten sich wohl sehr, das war nicht zu übersehen,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N86

Die zwei Freunde sassen nebeneinander im 2er Richtung Bellevue. Der Jüngere am Fenster hiess Matteo, der um einiges ältere neben ihm Alex. Beide trugen die gleichen Designerklamotten, das sah witzig aus. Matteo sah bedrückt aus, irgend etwas schien ihm Sorgen zu bereiten. Alex fragte ihn schon zum zweiten Mal, was mit ihm los sei. Matteo zögerte erst, schliesslich sprudelte es...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N85

Der Herr war etwa 70, er trug Jeans, eine legere Freizeitjacke und hatte eine Menge Fischerutensilien dabei. Er machte es sich auf einer Zweierbank bequem, lächelte zufrieden vor sich hin. An diesem Bild änderte sich nichts, vom Bellevue, wo er in den 4er eingestiegen war, bis zur Höschgasse. Da kam ein 40jähriger Geschäftsmann in dunklem Anzug hinzu. Er wollte sich...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N84

Es sei eigentlich völlig egal was passiere, es seien zuallererst immer die Grossen, die aussterben würden. So wie der Dino, den sie bei den Ausgrabungen letzte Woche gefunden hätten, der sei immerhin über drei Meter gross und 20 Meter lang gewesen, der soll irgend ein Katastrophenszenario nicht überlebt haben, das Futter sei ihm ausgegangen. Denise, so hiess die junge...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N83

Es sei unglaublich, was die Alten künftig kosten würden, das ginge doch nie..., gar nie ginge das auf, lamentierte der junge Mann. Etwas über  zwanzig mochte er sein, einen teuren Anzug trug er, er schien gut situiert zu sein. Der ältere Herr vis-à-vis von ihm war sein Grossvater, ein noch junger, vielleicht siebzig, der lächelte milde. Nein-nein, die Alten...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N82

Lässig lümmelten sich die beiden jungen Männer auf die Bank, Kaugummi kauend, der eine fingerte unaufhörlich auf seinem Smartphone herum, der andere zog sein Laptop aus der Umhängetasche und stöhnte, er werde einfach nicht schlau aus der doofen Studie, die sie für die Verkaufsabteilung machen müssten. Aus dem Gespräch ging hervor, dass die beiden...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N81

Die junge Frau heulte an der Schulter des Mannes leise vor sich hin, wiederholte immer wieder, er habe sie angelogen, einfach angelogen. Der Mann strich der Frau liebevoll durchs dunkle Haar, tröstete sie, Matteo habe doch einfach nur ein bisschen geblufft. Die Frau hielt inne, hob ihren Kopf, wischte sich die Tränen aus den Augen, machte den Mund nur auf und wieder zu, zischte dann,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N80

Das Kleid sei wahnsinnig schön, und die Pumps dazu seien einfach chic, auch wenn das ihr Budget etwas arg strapaziere, sie müsse sich das kaufen. Nina, so hiess die hübsche junge Frau, schwärmte von ihrem letzten Schaufensterbummel. Das Kleid passe wie angegossen, die Qualität sei hochwertig und die Pumps, die seien absolut einmalig. Elena, ihre Freundin stöhnte, es...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N79

Wie denn das sei, wenn man sterbe, einfach tot sei, wollte das kleine Mädchen von ihrem Grossvater wissen. Nina, so hiess das Mädchen, war etwa sechs Jahre alt, ging noch nicht zur Schule. Nina löcherte ihren Grossvater schon eine ganze Weile mit Fragen und für den Grossvater schien es offenbar schwierig, die richtigen Antworten darauf zu finden. Er wisse doch immer alles, er...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N78

Die drei Burschen kriegten alle Stielaugen, als die zwei jungen Frauen an der Feldeggstrasse in den 4er zustiegen. Die Frauen trugen extravagante Designerkleider, drückten sich an den Jungs vorbei, ohne sie auch nur mit einem Blick zu würdigen, setzten sich auf die nächste Bank, amüsierten sich über dies und jenes und lästerten über schlecht angezogene...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N77

Auf den ersten Blick war nicht ersichtlich, ob das Lachen des jungen Mannes ehrlich gemeint war oder ob er vielmehr den Tränen nahe war. Er nannte sich Giuseppe und sei Inhaber eines Gipser- und Malergeschäfts. Neben ihm sass sein Freund Rico, ein Anwalt. Guiseppe beklagte sich darüber, dass es schier unmöglich sei, als Opfer einer Betrügerei zu seinem Recht zu kommen....  [weiter]

Brunos Tramnotizen N76

Es sei schon sehr bedenklich, wenn sich befreundete Familien plötzlich den Krieg erklären würden, nur weil ihre Meinungen über politische Ereignisse auseinandergingen. Die jungen Frauen, zwei Studentinnen der ETH, konnten die derzeitigen Geschehnisse in ihrem Bekanntenkreis nicht nachvollziehen. Jana, die Frau am Fenster, erzählte, dass sie noch vor zwei Monaten in Berlin...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N75

Die beiden Eltern sahen so aus, wie man sich rechtschaffene, bürgerliche Eltern vorstellt. Der Mann knapp 50, seine Frau ein paar Jahre jünger. Die Tochter, sie stand schmollend zwischen den beiden, war vielleicht eben 17 geworden, man sah ihr an, sie war neugierig auf das Leben, das sie erwarten würde, wenn sie nur endlich volljährig sein würde. Die drei warteten an der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N74

Ja-ja-ja, er solle endlich nicht mehr so ein Gesicht machen, es sei doch keine Sache, wenn er das Wochenende einmal allein sei. Der Vater sass mit seinem Sohn ganz vorne im 2er, beide trugen die gleichen Klamotten, Sweatshirt, Hosen und Sneakers in den gleichen Farben, sie sahen aus wie Zwillinge, der eine allerdings erst 14, der andere knapp Ende dreissig. Sie stritten sich nicht gerade leise,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N73

Nicht einmal die Hälfte habe auf die Einladung zum Klassentreffen geantwortet, beklagte sich die junge Frau bei ihrer Freundin. Sie wisse nicht, was sie falsch gemacht habe. Die Einladungskarte habe ein kleines Vermögen gekostet, bis sie alle aktuellen Adressen herausgefunden und die Couverts angeschrieben habe, hätte sie über eine Woche gebraucht. Joelle, ihre Freundin,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N72

Es sei schon sehr bedenklich, meinte die junge Frau am Fenster, da vermelde eine wissenschaftliche Studie, man könne mit Schokolade abnehmen, und alle glauben es! Man stelle es sich vor: Schokolade mache schlank!... man esse täglich eine Tafel Schokolade und nehme einfach ab! Wenn etwas so gut tönt, dass es gar nicht wahr sein könne, dann sei es eben meist auch nicht wahr....  [weiter]

Brunos Tramnotizen N71

Das Thema der beiden Frauen waren Männer. Sie tuschelten und lachten, plauderten über ihre Ansichten, schilderten, was einen Mann sexy mache, wie alt er sein und welchen Status er haben müsse, wie ihr Ideal aussehen solle. Irgendwie kam dabei heraus, dass beide Frauen einer Meinung waren, die Männer, die sie beschrieben, waren bei beiden praktisch identisch. Das war...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N70

Die beiden jungen Männer in ihren Nike-Trainern kamen direkt aus dem Activ Fitness Tiefenbrunnen, Lorenzo und Diego hiessen sie. Wie lange er denn schon wieder solo sei, und warum ihn Giulia verlassen habe, wollte Lorenzo wissen. Das sei vor vier Monaten gewesen, erzählte Diego, er habe einfach wieder einmal Lust gehabt, richtig zu essen und habe sich ein Bistecca alla fiorentina in die...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N69

Der junge Bursche sass zusammengesunken auf der Bank, sein Blick war  abwesend, seine Stimme klang monoton. Ja, doch, es sei alles okay. Das wiederholte er nun schon ein halbes Dutzend Mal auf die Fragen seines Vaters, einem Mittvierziger in gepflegtem Anzug. Es waren die üblichen Fragen, die besorgte Eltern zu stellen pflegen. Dem Burschen, Fabio hiess er, schien es peinlich zu sein....  [weiter]

Brunos Tramnotizen N68

Er folge nicht der Bürokratie, wo käme man denn hin, wenn man sich dauernd an den Dienstweg halte. Man könne es sich heute einfach nicht mehr leisten, einen sturen und unflexiblen Fahrplan einzuhalten, man müsse agieren, nicht erst reagieren, wenn es zu spät sei. Er sehe sich als Unternehmer, da müsse man sich durchsetzen, da gelte das Recht des Schnelleren. Der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N67

Der Vater und dessen Sohn stiegen am Bellevue in den 2er, setzten sich schweigend und mit finsterer Miene nebeneinander auf die erstbeste Bank, bis zum Stadelhofen sagte keiner etwas. Schliesslich fingerte der Vater aus seiner Jackentasche ein Smartphone hervor, hielt es dem Sohn hin, bat flehend, er solle es jetzt endlich zurücknehmen. Der Sohn, Noah hiess er, ignorierte die Geste und...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N66

Die vier Jungs und die beiden Mädchen stürmten an der Feldeggstrasse fröhlich in den 2er, blödelten herum und machten sich über den Unterricht lustig, offensichtlich ging es um das Thema Sexualkunde und die Sitten und Gebräuche verschiedener Ethnien. Es sei doch klar, dass man es überall auf der Welt anders machen würde, meinte der Blondschopf mit der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N65

Man musste schon zweimal hinschauen, um zu sehen, dass bei der flüchtigen Küsserei mehr Liebe im Spiel war als es danach aussah. Der junge Mann war an die Haltestelle Höschgasse herbeigeeilt, an der rechten Hand hatte er einen Jungen im Vorschulalter, ganz offensichtlich seinen Sohn, in der Linken hielt er einen schönen Strauss mit sechs oder sieben Rosen. Die Frau wartete...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N64

Er habe nach der HSG noch den MBA an der Harvard Business School gemacht, aber eine Karriere in der Wirtschaft sei für ihn nie infrage gekommen, er sehe das bei allen anderen Abgängern, die würden nur am Leben vorbeileben. Er habe es vorgezogen, die kleine Fischzucht seines Grossvaters im Jura zu übernehmen. Es sei ihm sauwohl dabei, mit vier Stunden Arbeit pro Tag...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N63

Seine Söhne seien jetzt 14 und 17 Jahre alt. Beide seien bis anhin gute, ja sehr gute Schüler sogar. Der Leistungsdruck habe ihnen allerdings immer mehr zu schaffen gemacht. Sie seien auf einmal zerstreut gewesen, hätten kaum noch schlafen können. Schliesslich habe der Arzt bei beiden erhebliche Aufmerksamkeitsdefizite festgestellt, dem jüngeren habe er Ritalin...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N62

Ihre Cornets hatten sich die beiden jungen Frauen mit übergrossen Eiscrème-Portionen auffüllen lassen, jonglierten damit gekonnt an den Leuten vorbei, stiegen am Stadelhofen in den 2er. Warum er sich denn kein Eis gekauft hätte, fragten sie ihren Begleiter, Matteo hiess er. Der rümpfte die Nase, sie wüssten doch, dass er in diesen Belangen heikel sei und nur...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N61

Die Frau war Anfang dreissig, er Mitte vierzig, sie sassen müde auf der Bank, sie lehnte ihren Kopf an seine Schultern, seine Linke ruhte auf ihrem rechten Oberschenkel, beide schienen einen langen Arbeitstag gehabt zu haben. Der Mann in schwarzem Anzug und weissem Hemd hatte seine Krawatte gelockert, den obersten Hemdknopf geöffnet, er starrte vor sich hin, sprach leise und traurig....  [weiter]

Brunos Tramnotizen N60

Die alte Dame sass bereits im wartenden 2er am Tiefenbrunnen. Zufrieden, ja glücklich sogar, schaute sie zum Fenster hinaus, summte die Melodie der kleinen Nachtmusik von Mozart, klopfte dazu den Takt mit der Rechten auf den silbernen Griff ihres Stockes, den sie zwischen ihren Beinen stehen hatte. Die Dame sah sehr rüstig aus und sie war auffallend gepflegt gekleidet. Der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N59

Der Herr in modischem casual Look war sichtlich nervös, stand von einem Bein aufs andere, strich sich fortwährend mit seiner Rechten zittrig durch die Haare, schaute dabei die Frau neben ihm ununterbrochen an, als wollte er sie ansprechen, allerdings, so schien es, fehlte ihm der Mut dazu. Als der 4er am Stadelhofen hielt, stieg er direkt nach der Frau ein, setzte sich vis-à-vis...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N58

Der Bub am Fenster weinte still vor sich hin, die Tränen kullerten ihm eine nach der andere über die Backen, tropften runter auf sein himmelblaues Sweatshirt. Die Mutter neben ihm schien darob etwas verlegen, redete sanft auf ihren etwa siebenjährigen Sohn ein, vermochte ihn aber nicht zu beruhigen und wandte sich schliesslich ihrem Smartphone zu. An der Kreuzstrasse stieg ein...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N57

Erfolgreich sei nur, wer nichts mache. Der distinguierte Herr paukte seinem jungen Begleiter schon am Stadelhofen ein, wie man Geschäfte mache. Als der 2er endlich eintraf, die beiden sich auf eine Bank setzten, führte der Herr seinen Vortrag fort und wiederholte: Erfolg habe nur, wer nichts tue, sich weder für etwas engagiere noch aktiv an einer Sache beteilige und sich vorab mit...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N56

Der junge Blondschopf hievte am Bellevue einen 15 Kilo schweren Kartoffelsack in den 4er, setzte sich auf die erste Bank, zog den Sack zwischen seine Beine, schaute erst gelangweilt aus dem Fenster, errötete plötzlich, als er die Jugendlichen sah, die ebenfalls auf das Tram zustürmten und im allerletzten Moment den Türöffner drückten. Die beiden Jungs und das...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N55

Sie sei soeben in Genf angekommen, log die junge Frau unverfroren in ihr Smartphone, sie laufe gerade die Rue du Mont-Blanc hinunter und sei in wenigen Minuten im Büro der Rue Kléberg, nein-nein, in Genf hätten sie blauen Himmel, ... ja, sie habe es gehört, in Zürich sei es scheusslich nass und kalt. Fröhlich lachte die Frau weiter, sie habe mehrere Tage in Genf zu...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N54

Nur was mehrheitsfähig sei, habe heute eine Chance, man müsse es immer allen recht machen, nur wer die breite Masse hinter sich habe, könne punkten. Das sei überall so, gesellschaftlich, politisch und eben auch wirtschaftlich. Der Mann nahm endlich seinen erhobenen Zeigefinger herab, fuhr sich mit der Hand über die Nase, begann süffisant zu lächeln und fragte...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N53

Der Mann im Anzug lief der eleganten Dame schon auf der Seefeldstrasse hinterher, an der Höschgasse stieg er hinter ihr in den 4er. Als die Dame sich setzte und um sich schaute, erkannte sie den Herrn und lachte laut heraus. Ach er sei das, der Toni, das sei aber schon eine Ewigkeit her... Der Mann erschrak sichtlich, errötete und stotterte mehrmals «Bettina», schliesslich...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N52

Die zwei Studentinnen im 4er hatten einen Mordsspass, der Geschäftsmann vis-à-vis der beiden schien sie mit seinem Managerwissen ganz offensichtlich zu belustigen. Und tatsächlich, was dieser den Studentinnen mit wichtigen Gesten und einem nichtssagenden Slang zu erklären versuchte, war an Nonsens kaum zu überbieten. Alle seine Sätze begann er mit der Floskel...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N51

Pedro sass im 4er, zufrieden mit sich und der Welt, plauderte fröhlich mit seinem Gegenüber, Andy, einem Wirtschaftsprüfer. Es ging um Geld, das ja massig vorhanden sei, so wie die Leute in Zürich herumliefen, meinte Pedro. Er sei Kellner, habe gestern einen Gast gehabt, der wollte mit einer Tausendernote zahlen, der Chef habe abgewinkt, doch er habe sie ihm gewechselt und...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N50

Die drei Jugendlichen stiegen an der Feldeggstrasse laut und ausgelassen in den 2er. Im Unterricht hatte der Lehrer mit seinen Schülern über Sinn und Unsinn wissenschaftlicher Studien diskutiert und die Meinung vertreten, viele davon seien unsinnig. Einmal behaupten Autoren in einer, dass etwas gesund sei, eine weitere besage das Gegenteil. Ja, ja, die Studien belegen, dass nach dem...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N49

Er sei doch ein anständiger Politiker, da dürfe er sich solche verbale Entgleisungen nicht erlauben, das sei rassistisch, empörte sich die Frau. Die Zankerei der beiden war an der Höschgasse für alle Umstehenden gut zu hören, die Leute fanden es lustig, das Thema war allerdings ernster. Der junge Mann liess die Dame, die seine Mutter hätte sein können,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N48

Er sei einfach so gemein, er spanne ihm jede Frau aus. Dieses Wochenende sei es wieder so gewesen. Er habe sie zur Party eingeladen und weggegangen sei sie mit ihm. Das sei total ungerecht. Die beiden, es waren ganz offensichtlich Zwillinge, sahen sich zum verwechseln ähnlich und trotzdem waren sie grundverschieden. Sie sassen ganz vorne im 2er in Richtung Bellevue. Justin, so hiess der, der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N47

Er werde jetzt offiziell als Verbrecher angeschaut, so fühle er sich jedenfalls, er käme gerade von der Vernehmung, die Bezirksanwaltschaft werde ein Verfahren eröffnen, wegen schwerer Körperverletzung. Der Mann war ausser sich, seine Hände zitterten, sein Begleiter, ein Geschäftsmann, und wie aus dem Gespräch hervorging, offenbar auch sein Arbeitgeber,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N46

Gut, er sei vielleicht immer auf den eigenen Vorteil bedacht, dann sei er eben ein Opportunist, sie möge das nennen, wie sie wolle, aber er bescheisse niemanden und das Wort Schmarotzer, das lasse er sich schon gar nicht gefallen. Doch, sagte sie, sie sei seine Schwester, sie müsse ihm das einmal gesagt haben. Er solle sich nur überlegen, warum ihn niemand möge, alle um ihn...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N45

Ja, er habe Angst, sagte der Mann am Fenster, fuhr mit der Linken zittrig über die Nase und sah mit verlegenem Blick zu seinem jungen Begleiter hinüber. Der fummelte beinahe ungerührt an seiner Sporttasche herum, grinste und meinte, er dürfe jetzt nicht auf Panik machen. Beide sassen sie im 4er ganz vorne auf der Bank, sportlich gekleidet in Trainingsklamotten, vom Käppi,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N44

Der 2er fuhr am Stadelhofen los, die ältere Dame redete schon länger auf den Mittvierziger neben ihr ein, manchmal eindringlich, dann wieder flehend, letztlich beinahe verzweifelt. Er, im Anzug, schwieg mit ungerührter Miene vor sich hin, wippte nervös mit dem rechten Knie, starrte nur auf sein Smartphone, fingerte darauf endlos herum. Es seien jetzt schon fünf Jahre her,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N43

Der junge Mann im Anzug sass am Fenster, schaute mit flehendem Blick nach draussen, eine Träne floss ihm über die Wange. Die Frau neben ihm, legte behutsam ihre Hand auf seinen Schenkel, sagte aufmunternd, das käme schon gut. Michi, so nannte er sich, war etwa 25, gut aussehend, sportlich, und er machte den Eindruck, als ob er keine Träne weinen könnte. Er wisse einfach...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N42

Er sei doch nicht blöd, krächzte der Mann in sein Smartphone, Weihnachten mache ihm bestimmt keinen Stress, dann lachte er lauthals ein blechernes Ha-ha-ha durch den 2er. Die Leute um ihn herum schauten verdutzt auf, der lärmend gestikulierende Mann sah doch eigentlich ganz bieder aus, schicker Anzug, Krawatte, ordentlich saubere Schuhe, nur das laute Gelaber und sein...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N41

Das junge Pärchen stieg händchenhaltend in den 4er, setzte sich kuschelnd auf die erste Bank am Fenster. Schweigend sahen sie nach Draussen, es war nass und windig. Die beiden waren 17 oder 18, gingen noch zur Schule. Es nähme sie schon wunder, was in Paris jetzt passiere, begann das Mädchen, sie hätten letzte Woche in der Schule eine Riesendiskussion um...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N40

Es ging um Schulden, es hörte sich beklemmend an, und es war still diesen Morgen im 4er. Die beiden Mittfünfziger, das ging aus dem Gespräch hervor, kannten sich schon zu Schulzeiten und arbeiten heute als Abteilungsleiter im gleichen Unternehmen. Beide trugen sie teure Markenanzüge, der Blonde jedoch, auch das war offensichtlich, trug seinen Anzug schon viele Jahre, und seine...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N39

Der Vater stieg mit seiner Tochter beim Opernhaus in den 2er, die Tochter giftete ihren Vater an, sie möchte endlich einmal seine Meinung erfahren, seine Meinung, und nicht die von anderen. Immer, wenn es um ein Thema ginge, das ihm unangenehm sei, ziere er sich zu sagen, was er denke. Er zähle lieber auf, was vielleicht andere dazu meinen würden, die Nachbarn, Bekannte und...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N38

Der junge Vater alberte mit seinem Sohn Jonas herum, zeigte den fiesen Trick mit dem Hütchenspiel und bestand darauf, mit ihm so lange zu üben, bis er nicht mehr darauf hereinfalle. Das ältere Ehepaar, das gleichzeitig in den 4er stieg, amüsierte sich ob der Scherze der beiden. Auf einmal hielt Jonas inne und fragte seinen Vater, warum er nächste Woche erst am Samstag auf...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N37

Die drei Gymnasiastinnen beklagten sich über das fehlende Verständnis der Erwachsenen, sie hätten keine Ahnung von ihren Bedürfnissen und Problemen, sie hätten ganz offensichtlich vergessen, wie es damals war, als sie selbst jung gewesen seien. Der distinguierte Herr, der gleichzeitig in den 2er stieg, hörte den Mädchen mit wohlwollender Mimik zu. Die kleinste...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N36

Es war wieder einmal Montag, in jeder Beziehung, es war grau und kühl, die Leute misslaunig und gereizt. Da waren die zwei jungen Frauen am Tiefenbrunnen ein tröstender Lichtblick, sie scherzten und lachten, waren ganz einfach unbeschwert und fröhlich. Der 4er hielt quietschend. Aus einer der Türen stieg ein Herr im dunklen Anzug, lief direkt auf die Frauen zu und an ihnen...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N35

Die zwei jungen Männer gestikulierten schon eine ganze Weile an der Fröhlichstrasse herum, beide trugen schicke Anzüge, sie arbeiteten wohl in einem Job, der nach einer strengen Etikette verlangte. So, wie sie miteinander umgingen, waren sie gute Freunde, sie stiegen in den 4er und tuschelten munter weiter, der eine ziemlich aufgeregt, der andere amüsiert. Der, der sich so...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N34

Die beiden Frauen stiegen an der Höschgasse in den 2er, sie glichen sich aufs Haar, wenn da nur der Altersunterschied nicht wäre, die ältere der beiden dürfte die Grossmutter, die jüngere ihre Enkelin sein, dachte ich und blieb neben ihnen an der Tür stehen. Beide waren sie sehr schick gekleidet, als würden sie auf dem Weg zur Oper sein oder zu einem sehr...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N33

Der 2er stand schon da, der Tramführer machte vor dem Kiosk Tiefenbrunnen eine Zigarettenpause. Ich stieg vorne ein, setzte mich neben die ersten Fahrgäste, offensichtlich ein Vater und dessen Sohn. Die beiden machten ein bedrücktes Gesicht, schwiegen. Erst als der 2er losfuhr, begann der Sohn zu reden, es sprudelte richtig aus ihm heraus. Er brauche das neue Handy, bei seinen...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N32

Die zwei Frauen alberten schon am Stadelhofen herum, ganz offensichtlich wollte die eine nicht glauben, was ihr die andere erzählte. Als wir in den 4er stiegen, setzten sich die beiden auf die erste freie Bank, die Blonde im dunklen Deuxpièce, Gaby hiess sie, packte ihr Tablet aus, sagte, sie werde jetzt zeigen, das alles stimme, was sie ihr erzähle. Melanie, ihre Freundin,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N31

Die zwei Freunde sassen nebeneinander im 2er Richtung Bellevue. Am Fenster Rolf, ein sportlicher Zweimeter-Athlet, neben ihm der übergewichtige Franz, zwei Köpfe kleiner, beide trugen teure Designerklamotten, das sah ulkig aus. Franz wiederholte schon zum vierten Mal, er werde in den nächsten sechs Monaten mindestens 15 Kilo abnehmen. Die Diät, die er mache, koste zwar mehrere...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N30

Schon an der Haltestelle schwatzte der Herr mit den Ohrstöpseln laut vor sich ins Leere, das Mikro hing lose etwas unter dem Kinn an einem dünnen Kabel, mit seinem Handy in der Rechten machte er dauernd waagrechte Bewegungen, als ob er alles, was er sagte, fett unterstrichen haben möchte. Die Linke hatte er in der Hosentasche. Als der 4er da war, stieg er ein, bevor die anderen...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N29

Das Geklapper hörte sich vertraut an, es erinnerte mich an meine Kindheit, wenn der Grossvater in der guten Stube den Kachelofen einheizte, und die Grossmutter im grossen Ohrensessel sass, mit den Stricknadeln klapperte, neben sich ein Korb mit einem halben Dutzend Knäuel Wolle. Grossmutter strickte für die ganze Familie. Socken, Pullover und Mützen. Ich schaute mich im 4er...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N28

Es war abends kurz vor acht, der 2er ruckelte am Stadelhofen los in Richtung Tiefenbrunnen, das junge Pärchen vis-à-vis stritt sich schon eine ganze Weile. Die adrett gekleidete Frau schien erzürnt zu sein über ihren Begleiter, es dürfte sich dabei um ihren Vorgesetzten gehandelt haben. Sie beschimpfte ihn als mutlos, er folge bloss dem Herdentrieb, glaube, wenn er das...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N27

Das Thema Geld beschäftigt einen wohl lebenslänglich. Während für viele schon scheinbar kleine Probleme zu ganz grossen werden, gibt es andere, die so viel Geld haben, dass es kein Thema sein sollte. Dem ist aber nicht so. Sie rennen zwanghaft jeder noch so kleinen Vergünstigung hinterher, jubeln bei jedem vermeintlichen Gewinn, und sie weinen erbärmlich, wenn die...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N26

Von wegen «I d'Hose», Manne, heute seien es auch Frauen, die den Hosenlupf machen. Zwar würden die Mannen den Hosenlupf seit dem 13. Jahrhundert als festliche Sportkultur betreiben, den Frauen sei heute aber nicht mehr vorenthalten. Die junge Frau mit blondem Schopf und blauen Augen, sie nannte sich Suslä, lachte und plauderte in breitem Berner Dialekt ohne Unterbruch auf...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N25

Die beiden jungen Männer plauderten schon eine ganze Weile an der Höschgasse über die hochstehende Qualität griechischen Olivenöls und dessen bodenloses Preisniveau. Ärgerlich sei, meinte der eine, dass die Griechen derzeit gezwungen wären, ihr Öl praktisch zur Hälfte des aktuellen Marktwertes an italienische Grosshändler zu verscherbeln. Die...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N24

Die beiden adrett gekleideten jungen Frauen waren auf dem Weg in den Ausgang, sassen ganz vorne im 4er, tuschelten abwechselnd lachend und dann wieder todernst, ihre Mienen verrieten diebische Freude, dann wieder blankes Entsetzen. Die Brünette am Fenster, Daniela hiess sie, erzählte von Ihrer Maturaarbeit, die in der Schule als Meisterstück gepriesen wurde, Lehrer und...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N23

Die Leute standen schon eine ganze Weile am Stadelhofen, weder der 2er noch 4er waren am Bellevue in Sichtweite. Der Herr neben mir im schicken Anzug nahm es gelassen, in der Linken hielt er sich an seinem Faltrad, einem Brompton, mit der rechten tippte er schon die zweite SMS in sein Smartphone. Ich fragte mich, warum er mit seinem Velo nicht einfach weiterfuhr. Nach einer weiteren...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N22

Das Pärchen war Anfang dreissig, sie sassen eng zusammengerückt auf der Bank, seine Linke ruhte auf ihrem rechten Oberschenkel, beide schienen einen langen Arbeitstag gehabt zu haben, sie sahen müde und ausgelaugt aus. Der Mann, in dunkelblauem Anzug, weissem Hemd und roter Krawatte, war ganz offensichtlich Banker, starrte vor sich hin, rieb mit der Rechten andauernd die Augen,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N21

Die drei Burschen stiegen am Bellevue in den 4er, spielten mit einer Münze Kopf oder Zahl. Der Blonde schien eine Glückssträhne zu haben, gewann immer und fragte nach einer Weile sein Gegenüber, Philipp, ob er um eine Zwanzigernote spiele, es ginge um die Endziffer der Seriennummer, eine gerade oder ungerade Zahl. Philipp willigte ein, wählte ungerade für sich, der...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N20

Er war etwas über vierzig, lässig und modisch gekleidet, stieg an der Wildbachstrasse in den 2er, das Mädchen, das ihm dicht gefolgt war und sich neben ihn setzte, war vielleicht 16, machte auf junge Frau, tat so, als kenne sie den Mann nicht, tippte auf ihrem Smartphone herum. Bis zur Höschgasse öffnete der Mann genau vier Mal seinen Mund, als wolle er etwas sagen,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen N19

Der Mann im dunklen Anzug war die Ruhe selbst, sass alleine auf einer Zweierbank, lächelte glückselig vor sich hin, seine Augen hielt er halb geschlossen, seine Hände ruhten auf einem in Leder gefassten Kistchen. Seit er am Bellevue in den 4er zugestiegen war, hob er schon zum dritten Mal den Deckel mit der Linken leicht an, drehte den Kopf schräg nach unten, schaute durch die...  [weiter]

N18

Die beiden waren auffällig modisch gekleidet, stiegen an der Wildbachstrasse ganz vorne in den 4er. Der Vater hatte den Arm um die Schultern seines Sohnes gelegt, streichelte ihm zärtlich mit der Hand über den Kopf. Der etwa 12jährige Sohn mit Down-Syndrom lehnte seinen Kopf an die Brust des Vaters. Beide schwiegen. Die Leute rundherum schienen ob dieser liebevollen Szene...  [weiter]

N17

Das nächste Tram am Bellevue liess auf sich warten, neben mir plauderten eine junge Frau und ein Mann über Blumen. Sie erklärte ihm, worauf man beim Schenken von Blumen achten müsse. Es komme nicht nur auf den Anlass, die Person und den Geschmack des Überbringers oder der Empfängerin an, es sei auch eine Frage des Zeitgeistes. Wir stiegen in den 2er, der Mann...  [weiter]

N16

Die beiden Burschen lümmelten an der Haltestelle Fröhlichstrasse herum, stiegen in den 4er, setzten sich vis-à-vis eines Herrn, den sie sich ganz offensichtlich als Opfer für ihre Provokationen aussuchten. Der Herr, Mitte vierzig, in dunkelblauem Anzug, sass etwas steif auf der Bank, die Hände über seiner Aktentasche gefaltet, mit der Rechten fortwährend...  [weiter]

N15

Der junge Mann sah aus, als käme er aus dem Fitnessstudio. Durchtrainiert und frisch geduscht schaute er fröhlich in die Welt, wartete wie ich an der Höschgasse auf das nächste Tram. Zum modischen Anzug aus feinem Stoff trug er ein rotes Shirt mit irgendeiner Aufschrift und schrillbunte Sportschuhe. Das sah urkomisch aus. Er wippte zu einer imaginären Melodie mit dem Kopf...  [weiter]

N14

Das junge Pärchen stieg am Stadelhofen in den 2er, tuschelte gestenreich, fast beschwörend, setzte sich in die Reihe vor mir. Wenn sie schon bei diesen Leuten eingeladen seien, müssten sie auch etwas Schlaues mitbringen. Er solle sich doch etwas einfallen lassen, nicht so 0815-Zeugs, flehte die Frau ihren Begleiter an. Warum denn, meinte er beinahe schon gelangweilt, das sei in...  [weiter]

N13

Die beiden unterhielten sich im 4er bereits eine ganze Weile über Vegetarier, Ovo-Lacto-Vegetarier, Lacto-Vegetarier, Veganer und über Gluten- und andere Verzichter, deren Begriffe ich mir nicht mehr habe merken können. Der Blonde enervierte sich dabei über seine Partnerin, die er vor sechs Jahren völlig gesund kennen gelernt habe, die aber aus unerklärlichen...  [weiter]

N12

Es war als ob die zwei Mädchen und der Bursche Kriegsrat hielten, die Szenarien, die sie durchspielten, hörten sich jedenfalls dramatisch an. Das grosse Mädchen am Fenster, den Tränen nahe, beschied den beiden anderen, wenn sie es dieses Jahr nicht schaffe, könne sie es hier vergessen, sie würde dann abhauen, zu ihrer...  [weiter]

N11

Die beiden Tramführer blinzelten in die Sonne, scherzten, der vom 2er deute mir an, er werde zuerst fahren, ich stieg ganz vorne ein. Auf der ersten Bank sass eine junge Dame in teurem Sportoutfit, sie kam wohl aus der Ballettschule Tiefenbrunnen, eine Nike-Tasche rechts auf dem Nebensitz, links von ihr eine Auslegeordnung an Schminkutensilien. Ihre Lippen hatte sie soeben eingecremt,...  [weiter]

N10

Es war noch frisch, der Wind blies aus Nordost, der 2er war eben abgefahren, der 4er noch nicht da, dem Fischer schien es egal zu sein, er schaute glückselig unter seinem dicken Kapuzenpulli hervor, fragte, ob ich ein Mobile habe und er eine SMS an einen Freund schicken dürfe. Wenn er morgens früh an den See ginge, wolle er ungestört sein, die Ruhe geniessen, da lasse er sein...  [weiter]

N9

Drei Stationen fuhren wir bereits im 4er und die beiden Burschen vis-à-vis von mir sprachen kein Wort, ihre Blicke waren leer, irgend etwas musste sie sehr beschäftigen. Schliesslich konstatierte der Grössere, Hannes sei aufgeflogen mit diesem Trick, er wisse darum nicht, ob er die Nerven habe, es nun auch zu versuchen. Hannes habe sein Handy hinten in den Hosenbund gesteckt, das...  [weiter]

N8

Er sei jetzt im 6. Arrondissement, im Saint-Germain-des Prés, ja, der Kunde habe sein Büro ganz in der Nähe, sie würden sich wie vereinbart im Café de Flore treffen, am Abend im Les Deux Magots essen. Nein, er sei nicht geflogen, mit dem TGV gefahren, ja, gestern gleich beim Gare de Lyon im Mercure eingecheckt... die Gespräche seien sehr anstrengend, die...  [weiter]

N7

Es roch nach typischer Rush Hour, nach Montagmorgen, da sind die Menschen ganz anders, sie riechen anders, da ist nie alles so, wie es sonst ist. Auch der Tramführer des 4ers musste sich wieder an die Arbeit gewöhnen, seine Bewegungskoordination am Steuer liess zu wünschen übrig, die Fahrweise war ruppig. Die meisten Leute steckten in frischen Klamotten, wie immer am Montag....  [weiter]

N6

Den vier Bingo-Losen folgten vier von Super Podium, dann vier Lose von Glücksrad, schliesslich weitere vier auf denen Traum-Los stand. Gerubbelt hat der Mann, der mir gegenüber sass, schon vor der Abfahrt am Tiefenbrunnen, jetzt hielt der 4er an der Feldeggstrasse. Alles ging erstaunlich schnell und mit System. Die meisten Lose legte der Mann nach der Rubbelei links auf den freien Sitz,...  [weiter]

N5

Der junge Mann vis-à-vis von mir war etwas über zwanzig, trug zu seinen brandneuen Levi's ein weisses Hemd und einen modischen Blazer von Hugo Boss, seiner Krawatte hat er sich entledigt, sie steckte zusammengerollt in der Seitentasche seines Sakkos, die Spitze des Schlips ragte noch hervor. Die teuren Stiefeletten waren nicht mehr ganz neu, aber sauber auf Hochglanz poliert....  [weiter]

N4

Der 2er kam vom Bellevue bereits voll am Stadelhofen an, fuhr schliesslich rappelvoll weiter in Richtung Tiefenbrunnen. Neben mir standen eine Frau und ein Mann, beide Mitte dreissig, etwas verlegen und schüchtern. Sie taten als ob sie sich gar nicht kennen würden, die im Gedränge geradezu erzwungene körperliche Nähe schien ihnen allerdings durchaus zu gefallen....  [weiter]

N3

Warum ich auf den Stadtkreis 1 neidisch bin, hat nur einen einzigen Grund: der Bürkliplatz mit seinem Markt. Es ist das, was dem Seefeld noch fehlt. Der Märit auf dem Bürkliplatz ist etwas Besonderes, etwas das man sich mindestens einmal pro Woche leisten sollte. Ich gönne mir jeweils dienstags, und wenn es reicht, auch freitags einen Gang dort hin – die knappe Stunde,...  [weiter]

Brunos Tramnotizen - N2

Die Leute standen sich an der Haltestelle Fröhlichstrasse schon eine kleine Ewigkeit die Beine in den Bauch, der ÖV schien an diesem Donnerstagmorgen verschlafen zu haben. Die junge Frau mit den hipen Kopfhörern von Beats hatte jedenfalls genügend Zeit, um bei Dr. Evelin Weidemann in der Apotheke Pillen zu besorgen und der Bürolist neben mir holte gleichzeitig für...  [weiter]

Brunos Tramnotizen - N1

Vor lauter Smartphones sah man in der S-Bahn keine Menschen mehr. Ich beschloss am Tiefenbrunnen auszusteigen, das Seefeld bis zum Stadelhofen oberirdisch zu befahren. Das dauert mit dem 2er oder 4er zwar etwas länger, aber es lohnt sich. Man sieht wieder mehr Gesichter, Gesichter, die einem Geschichten erzählen. Ich setzte mich in den 4er, der war zuerst da, würde als erster...  [weiter]

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